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Armagnac oder Cognac? Der Unterschied erklärt

Gascogne gegen Charente

Armagnac oder Cognac? Der Unterschied erklärt

Armagnac unterscheidet sich von Cognac vor allem im Brennen: Er läuft meist nur einmal durch eine kontinuierliche Kupferkolonne, den alambic armagnacais, und behält mehr Aroma des Weins. Er stammt aus der Gascogne, reift mindestens ein Jahr in Eiche und trägt oft einen Jahrgang.

Ein Durchgang statt zwei: die Armagnac-Kolonne

Den größten Unterschied sieht man im Brennhaus. Statt eines bauchigen Kessels steht dort meist eine schmale Säule aus Kupfer mit mehreren Böden, der alambic armagnacais. Der Wein fließt von oben ständig nach, der Dampf steigt von unten durch ihn hindurch, und am Ende läuft das Destillat in einem einzigen Durchgang ab. Fachleute nennen das kontinuierliche Destillation.

Das Ergebnis hat meist zwischen 52 und 72,4 % vol, oft deutlich weniger als ein Cognac-Destillat. Weil weniger Alkohol abgetrennt wird, bleiben mehr Begleitstoffe aus dem Wein erhalten. Der junge Armagnac wirkt dadurch rustikaler und kräftiger, braucht aber Zeit im Fass, um rund zu werden. Die doppelte Destillation in der Brennblase ist ebenfalls zugelassen, bleibt aber Nebenverfahren: 2012 liefen 95 Prozent des Brennweins durch die Kolonne.

Viele Winzer besitzen kein eigenes Gerät. Fahrende Brennereien ziehen im Winter mit ihrer Kolonne von Hof zu Hof, ein Bild, das in der Charente unbekannt ist.

Gebiet, Unterzonen und Rebsorten des Armagnac

Das Armagnac liegt in der Gascogne im Südwesten Frankreichs, verteilt auf die Départements Gers, Landes und Lot-et-Garonne. Abgegrenzt wurde es 1909, gegliedert in drei Unterzonen: Bas-Armagnac im Westen mit sandigen Böden, Armagnac-Ténarèze in der Mitte und Haut-Armagnac im Osten, wo heute nur wenig Brennwein wächst.

Zehn Rebsorten sind erlaubt, darunter Ugni blanc, Folle blanche und Colombard wie in der Charente. Eine Besonderheit ist Baco blanc, eine Kreuzung, die François Baco 1898 züchtete. Sie gibt weiche, fruchtige Destillate und ist eng mit dem Armagnac verbunden. Das Lastenheft erinnert auch an die Geschichte: 1310 beschrieb Vital Dufour, Prior von Eauze, die vierzig Tugenden des „aygue ardente“, des brennenden Wassers.

Gehandelt wurde der Brand lange über weite Wege. Im 17. und 18. Jahrhundert waren holländische Kaufleute wichtige Abnehmer. Auch technisch hat die Gegend Geschichte: 1814 erhielt Tuilière aus Auch ein Patent auf einen kontinuierlich arbeitenden Brennapparat. Der heutige alambic armagnacais arbeitet nach demselben Grundsatz und wird bis heute über offenem Feuer beheizt.

Jahrgang, XO und Blanche Armagnac

Die gesetzliche Mindestreife ist kürzer als beim Cognac: ein Jahr in Eiche, gezählt ab dem 1. April nach der Fassbelegung, Verkauf ab 40 % vol. Für XO gilt seit 2018 wie beim Cognac ein Mindestalter von zehn Jahren.

Typisch für Armagnac sind Jahrgänge, französisch millésimes. Viele Erzeuger füllen Destillate einer einzigen Ernte ab, oft in kleinen Mengen. Nach Angaben des Branchenverbands verlangt eine Jahrgangsangabe mindestens zehn Jahre im Holz und bezieht sich allein auf das Erntejahr auf dem Etikett.

Ganz anders der Blanche Armagnac. Er ruht mindestens drei Monate in einem Behälter, der keine Farbe abgibt, und kommt farblos in die Flasche. Er ist Teil der AOC Armagnac und kein eigenes EU-Schutzgut.

Wie schmeckt Armagnac im Vergleich zu Cognac?

Als Faustregel wirkt Cognac eleganter und geschliffener, Armagnac erdiger, würziger und manchmal wilder. Typisch sind Noten von Backpflaume, Feige, Leder und Röstaromen, bei alten Jahrgängen viel Tiefe. Dazu trägt das Fass bei: Viele Häuser nutzen Eiche aus den Wäldern der Gascogne, deren Holz als gerbstoffreich gilt und dem jungen Destillat schnell Farbe und Würze gibt. Lange Jahre im Fass zähmen diese Kraft wieder. Hinzu kommt die Struktur: Viele Armagnac-Erzeuger sind Winzer, die ihre eigene Ernte brennen und abfüllen. Die Erzeugung ist deutlich kleiner; 2012 lag sie bei 19 000 Hektolitern reinem Alkohol.

Beide Brände folgen derselben Idee, einem Destillat aus Wein mit Reife in Eiche. Sie zeigen aber, wie stark Brenngerät und Herkunft das Ergebnis prägen. Ein Glas von jedem nebeneinander macht den Unterschied schneller klar als jede Beschreibung.

Kurz unterschieden

Armagnac
Meist einmal in der kontinuierlichen Kupferkolonne gebrannt, 52–72,4 % vol, mindestens ein Jahr Eiche, Jahrgänge üblich.
Cognac
Immer zweimal im Charentaiser Kessel gebrannt, bis 72,4 % vol, mindestens zwei Jahre Eiche.
Blanche Armagnac
Farbloser Armagnac, mindestens drei Monate in farbneutralem Behälter; Teil der AOC, kein eigenes EU-Schutzgut.

Dazu im Lexikon

Cognac und Armagnac im LexikonCalvados: ebenfalls in Kolonne oder BrennblaseBrände und Weine nach dem Essen
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