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VS, VSOP, XO, XXO: Was die Buchstaben auf Cognac bedeuten
VS, VSOP und XO geben das Mindestalter des jüngsten Destillats in einem Cognac an: VS mindestens zwei Jahre, VSOP mindestens vier Jahre, XO seit dem 1. April 2018 mindestens zehn Jahre in Eiche. Vorher reichten für XO sechs Jahre. Gezählt wird in Comptes, Altersstufen, die jedes Jahr am 1. April wechseln.
Was bedeuten VS, VSOP und XO bei Cognac?
Die Buchstaben sind englisch, weil der Cognac-Handel über Jahrhunderte stark nach England und in die Niederlande lief. VS steht für Very Special, VSOP für Very Superior Old Pale, XO für Extra Old. Sie sind keine Fantasieworte der Werbung, sondern im Lastenheft geregelte Altersangaben, die an ein Mindestalter gebunden sind.
VS, gleichwertig mit drei Sternen, verlangt mindestens zwei Jahre Eiche. VSOP, ebenso Réserve oder VO, verlangt vier Jahre. XO, gleichwertig mit Hors d'âge, Extra und einigen weiteren Begriffen, verlangt zehn Jahre. Wichtig ist das Wort mindestens: In einem guten VSOP stecken oft deutlich ältere Destillate. Die Angabe richtet sich aber immer nach dem jüngsten Bestandteil des Verschnitts, das gilt für alle Spirituosen in der EU.
Das P in VSOP heißt Pale, also blass. Der Überlieferung nach bestellten britische Kunden im 19. Jahrhundert einen alten Cognac, der ohne Farbzusatz hell bleiben sollte. Die Abkürzung hat sich gehalten, auch wenn heutige VSOP keineswegs besonders hell sind. Die Buchstaben beschreiben also Altersstufen, keine Farbe und keinen Geschmack.
Comptes: Wie Cognac sein Alter zählt
Das Alter eines Cognac-Destillats wird in Comptes geführt, einer Art amtlicher Altersbuchhaltung. Direkt nach dem Brennen steht ein Destillat in Compte 00. Am 1. April nach der Ernte wechselt es in Compte 0, und jeder weitere 1. April erhöht den Zähler um eins. Weil die Destillation bis zum 31. März abgeschlossen sein muss, beginnen alle Destillate eines Jahrgangs gemeinsam zu zählen.
Daraus ergeben sich die Stufen. VS braucht Compte 2, VSOP Compte 4, die Angabe Napoléon Compte 6, XO und Hors d'âge seit 2018 Compte 10. Das System macht Alter überprüfbar, ohne jedes Fass einzeln zu datieren. Die Buchführung läuft über die Lagerbestände der Häuser und wird kontrolliert.
Ein Beispiel macht das greifbar. Trauben aus dem Herbst 2020 werden im Winter gebrannt, das Destillat steht in Compte 00. Am 1. April 2021 rückt es in Compte 0, am 1. April 2022 in Compte 1, am 1. April 2023 in Compte 2. Ab diesem Tag darf es als VS in die Flasche. Für VSOP muss es bis zum 1. April 2025 warten.
Die Regel von 2018: XO wird zehn
Bis 2018 durfte ein Cognac XO heißen, wenn sein jüngstes Destillat sechs Jahre alt war. Seit dem 1. April 2018 sind es zehn Jahre. Die Branche reagierte damit auf einen Markt, in dem XO als Spitzenklasse wahrgenommen wurde, obwohl die Mindestanforderung kaum über der Stufe Napoléon lag. Der Armagnac zog im selben Jahr nach und hob sein XO ebenfalls auf zehn Jahre.
Für Käufer hat das eine einfache Folge. Ein XO aus jüngerer Abfüllung enthält zwingend Destillate von mindestens zehn Jahren. Ältere Flaschen aus der Zeit vor der Änderung können jüngere Anteile enthalten, ohne dass das auf dem Etikett erkennbar wäre. Wie alt der Inhalt im Mittel ist, verraten die Buchstaben ohnehin nicht.
Napoléon, Hors d'âge, XXO: die übrigen Angaben
Das Lastenheft kennt insgesamt 32 Altersangaben. Viele sind Synonyme: Réserve und VO stehen auf der Stufe des VSOP, Hors d'âge und Extra auf der des XO. Napoléon liegt mit sechs Jahren dazwischen. Für XXO, Extra Extra Old, beantragte der Branchenverband BNIC 2018 ein Mindestalter von 14 Jahren; vorher war XXO nur eine Bezeichnung einzelner Häuser.
Eine verbreitete Annahme betrifft das Reifen in der Flasche. Anders als Wein entwickelt sich Cognac nach dem Abfüllen praktisch nicht weiter, weil der Kontakt zum Holz fehlt. Ein VS von vor zwanzig Jahren bleibt ein VS. Wichtiger für den Geschmack ist der Stil des Hauses: Nach Zahlen des BNIC entfielen 2025 rund 55 Prozent der verkauften Flaschen auf VS, 38 Prozent auf VSOP und knapp 7 Prozent auf XO und ältere Stufen.