
Ein deutsches Wort
Deutscher Weinbrand: Asbach, Chantré und das Wort Weinbrand
Das Wort Weinbrand stammt von Hugo Asbach aus Rüdesheim: 1907 als Warenzeichen eingetragen, seit 1923 Gattungsbegriff im deutschen Weinrecht, weil deutscher Brand aus Wein nach dem Versailler Vertrag nicht mehr Cognac heißen durfte. Heute sind „Deutscher Weinbrand“ und „Pfälzer Weinbrand“ in der EU geschützt.
Woher kommt das Wort Weinbrand?
Bis ins frühe 20. Jahrhundert hieß deutscher Brand aus Wein ganz selbstverständlich Cognac, oft mit dem Zusatz „Deutscher Cognac“. Der Begriff stand damals eher für eine Machart als für einen Ort. Hugo Asbach, 1868 in Köln geboren, gründete 1892 in Rüdesheim am Rhein seine Brennerei und suchte früh nach einem eigenen Namen für sein Erzeugnis.
Er fand ihn in Weinbrand. Am 11. November 1907 wurde das Wort als Warenzeichen eingetragen. Die Wende kam mit dem Ersten Weltkrieg: Der Versailler Vertrag von 1919 reservierte den Namen Cognac für Frankreich. Ab 1923 wurde Weinbrand zur offiziellen Gattungsbezeichnung im deutschen Weinrecht, also zu einem Wort, das alle Hersteller verwenden durften. Aus der Marke eines Einzelnen wurde so der Name einer ganzen Kategorie.
Deutscher Weinbrand und Pfälzer Weinbrand: die geschützten Namen
Auf europäischer Ebene ist Weinbrand heute Kategorie 5 der Spirituosenverordnung, gleichbedeutend mit Brandy. Darüber liegen geschützte geografische Angaben. „Deutscher Weinbrand“ steht seit 1989 im EU-Register, „Pfälzer Weinbrand“ seit 2008. Aus Österreich kommt der „Wachauer Weinbrand“ hinzu, geschützt seit 1995.
Was bringt so ein Eintrag? Bei Spirituosen kennt die EU nur eine Schutzart, die geografische Angabe. Sie verbindet einen Namen mit einem Gebiet und einer Spezifikation, also einer schriftlichen Beschreibung, wie das Erzeugnis entsteht. Wer den Namen verwendet, muss diese Beschreibung erfüllen, und Nachahmungen wie „nach Art von“ sind untersagt. Eine Aussage über Geschmack oder Güte ist damit nicht verbunden.
Ein häufiger Irrtum betrifft den Rheingau. „Rüdesheimer Weinbrand“ klingt nach einer Herkunftsbezeichnung, steht aber nicht im Register. Rüdesheim ist der Sitz bekannter Häuser, keine geschützte Angabe.
Und noch ein Irrtum hält sich hartnäckig: Weinbrand brauche 38 % vol. Die EU verlangt mindestens 36 % vol. Viele deutsche Marken füllen mit 38 % vol ab, das ist Marktpraxis. Ob die Spezifikation für „Deutscher Weinbrand“ zusätzliche Werte vorschreibt, ist hier nicht belegt; sicher gilt die europäische Mindestregel mit Eichenreife von sechs Monaten in kleinen oder einem Jahr in großen Behältern.
Asbach, Chantré, Mariacron: Marken statt Lagen
Während in der Charente Lagen und Altersstufen das Bild prägen, wurde deutscher Weinbrand über Marken bekannt. Asbach steht bis heute in Rüdesheim und gehört als Asbach GmbH zur Underberg AG. Das bekannteste Erzeugnis trägt den Namen Asbach Uralt, wobei „Uralt“ hier Teil des Markennamens ist und keine geschützte Altersstufe.
Chantré kam 1952 auf den Markt, entwickelt vom Haus Eckes in Nieder-Olm in Rheinhessen. Das Unternehmen bewarb ihn als ersten milden Weinbrand, eine Herstellerangabe, die viel über den damaligen Geschmack verrät. Der Name geht auf den Mädchennamen der Frau von Ludwig Eckes zurück. Seit 2007 gehört die Marke zu Rotkäppchen-Mumm. Auch Mariacron, ursprünglich eine Klosterbrennerei in Oppenheim, kam über Eckes in diese Familie von Marken.
Wie schmeckt deutscher Weinbrand?
Die großen deutschen Marken setzen meist auf Weichheit: wenig Schärfe, Noten von Vanille, Trockenfrucht und Karamell, ein runder, etwas süßlicher Abgang. Das hängt mit Brennverfahren, Fassreife und der Freiheit zusammen, bis zu 35 Gramm Zucker je Liter zuzugeben. Wer Cognac gewohnt ist, empfindet viele Weinbrände deshalb als zugänglicher und weniger vielschichtig.
Getrunken wurde deutscher Weinbrand lange pur nach dem Essen oder im Kaffee. 1957 entwickelte der Fernsehkoch Hans Karl Adam im Auftrag von Asbach den Rüdesheimer Kaffee: Weinbrand wird mit Zucker in einer eigenen Tasse flambiert, mit Kaffee aufgegossen und mit Sahne und Schokoraspeln bedeckt. Das Rezept war von Anfang an Werbung für die Marke und wurde trotzdem zum festen Bestandteil der Rheingauer Gastronomie.
Seit einigen Jahren bringen kleinere Brennereien und Weingüter Weinbrände aus eigenem Wein heraus, oft im kleinen Fass gereift und ohne Zucker. Sie zeigen, dass das Wort Weinbrand keine Stilvorgabe ist. Es beschreibt nur die Mindestregel. Was darüber hinausgeht, entscheidet der Hersteller.