
Busch im Glas
Botanicals
Wacholder wächst in Victoria nicht wild in nennenswerter Menge, deshalb kaufen Four Pillars und die Melbourne Gin Company ihn getrocknet zu, meist aus Süd- und Osteuropa. So macht es fast jede Brennerei außerhalb der klassischen Wacholderregionen. Was den Yarra-Valley-Gin trotzdem unterscheidet, sind die Zutaten daneben, die man wenige Autominuten von den Brennereien direkt im Busch findet.
Die tasmanische Pfefferbeere ist eine kleine violette Beere mit scharfer, an Lavendel erinnernder Schärfe. Four Pillars verarbeitet vor allem ihr Blatt. Im Rare Dry Gin gibt es dem Wacholder eine pfeffrige Kante, die im Abgang länger anhält als schwarzer Pfeffer. Zitronenmyrte, ein Baum aus dem Regenwald Queenslands, liefert Citral, dieselbe Aromaverbindung wie Zitronenschale, nur deutlich konzentrierter.
Anisemyrte trägt Anethol, den Stoff, der auch Sternanis nach Lakritz schmecken lässt, und rundet Rezepturen mit einer süßlichen Würze ab. Wattlesamen, gerösteter Samen der Akazie, riecht nach Kaffee und Nuss und geht auf eine jahrtausendealte Nutzung durch die Aborigines zurück, die daraus Buschbrot mahlten. Eukalyptusblätter tauchen in kleineren Mengen auf und geben einen kühlen, harzigen Ton.
Die Melbourne Gin Company mischt dazu Sandelholz, Honigmyrte und Macadamianuss und nutzt für ihre Rezepturen frisches Regenwasser statt Leitungswasser. Wer eine Flasche aus dieser Region öffnet, riecht zuerst Wacholder wie überall. Im zweiten Atemzug aber riecht er den Busch, der die Brennereien umgibt.
Der Rare Dry Gin vereint insgesamt zehn Botanicals in einem einzigen Brand, von Wacholder und Angelikawurzel bis zu Pfefferbeere und Zitronenmyrte. Genau diese Mischung aus europäischer Basis und australischem Busch macht ihn zum Aushängeschild der ganzen Region.
Dunkle, eisenreiche Erde aus verwittertem Vulkangestein, wie sie im ganzen Yarra Valley unter Weinstöcken und Buschgehölzen liegt.
Die Wurzel: Feinwurzeln finden hier Mineralien und halten Feuchtigkeit auch im trockenen Sommer.