Botanicals in der Region London

Hafen der Gewürze

Botanicals

In einer Ginregion ohne eigene Felder wächst der Wacholder nicht vor der Tür. Er kommt mit dem Schiff. London war Jahrhunderte lang einer der größten Handelshäfen der Welt. Mit den Frachtern kamen genau die Pflanzen an, die einen Gin ausmachen.

Wacholderbeeren selbst stammen meist aus Italien, Nordmazedonien oder Kroatien. Dort wachsen die Sträucher auf kargen, sonnigen Hängen. Sie geben dem Gin seine Grundnote nach Nadelholz und Kiefer. Ohne sie ist ein Gin nach EU-Recht überhaupt kein Gin.

Dazu kam, was über die Themse-Kais in die Lagerhäuser der Stadt gelangte. Koriandersamen aus Marokko oder Russland brachten eine leicht zitrusartige, würzige Note. Angelikawurzel aus Mitteleuropa gab dem Gin Erdigkeit und einen langen Abgang. Süßholzwurzel deutete Süße an, ohne dass Zucker zugesetzt wurde.

Zitrusschalen kamen über den Hafen ebenso an, vor allem von Sevilla-Orangen und Zitronen. Orisenwurzel aus Marokko wirkt als Fixierer: Sie bindet die flüchtigen Aromen der anderen Botanicals und hält sie länger im Glas. Beefeater mazeriert nach Angaben der Brennerei neun solcher Zutaten vierundzwanzig Stunden lang, bevor gebrannt wird.

Der einzige Wacholder, der wirklich in der Region wächst, steht nicht im Hafen, sondern auf den Kreidehügeln südlich der Stadt. Auf den North Downs klammert er sich seit Jahrhunderten an dünne, kalkreiche Böden. Genau dort versickert später auch das Wasser, das die Brennereien nutzen.

So erzählt eine Londoner Botanical-Liste im Kern zwei Geschichten zugleich. Die meisten Zutaten reisten von weit her über den Fluss. Nur der Wacholder selbst hat direkt vor den Toren der Stadt Wurzeln geschlagen.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne Humusschicht über Kreide, artenreiches Kalkgrasland der North Downs.

Die Wurzel: Der Wacholder bildet hier nur flache, weit verzweigte Wurzeln, weil darunter bald harter Fels beginnt.

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