
Trocken, würzig, klar
Verkosten
Ein klassischer Londoner Gin schmeckt zuerst nach Wacholder, kühl und harzig. Danach folgt eine würzige Mitte aus Koriander und Angelikawurzel. Zum Schluss bleibt ein trockener, leicht bitterer Abgang, ohne spürbare Süße.
Beefeater zeigt diesen Stil beispielhaft: kräftiger Wacholder, unterlegt von Zitrusnoten aus Sevilla-Orange und Zitrone. Sipsmith wirkt runder und weicher, mit deutlicherem Zitrus und einer sanften floralen Note von der Orisenwurzel. City of London Distillerys Gin setzt zusätzlich auf britische Kräuter. Er schmeckt dadurch grüner und frischer als die beiden anderen.
Um solche Unterschiede zu erkennen, hilft es, den Gin zuerst pur zu probieren. Am besten bei Zimmertemperatur, in einem Glas mit engerer Öffnung, damit sich die Aromen sammeln. Ein kleiner Schluck Wasser dazwischen öffnet zusätzliche Aromen. Er verwässert den Geschmack dabei kaum.
Wer zwei Gins vergleichen will, sollte das direkt nacheinander tun, nicht nach Tagen. Das Gedächtnis für Aromen ist kurz. Erst der direkte Vergleich zeigt, wie unterschiedlich zwei Wacholderprofile klingen können.
Auch die Nase entscheidet mit, bevor die Zunge überhaupt beteiligt ist. Wer am Glas riecht, bevor er trinkt, erkennt oft schon, ob ein Gin eher zitrusbetont oder eher würzig-erdig ausfällt.
In London selbst lohnt sich der Vergleich besonders. Gleich drei sehr unterschiedliche Stile stehen hier auf engstem Raum nebeneinander, von Kennington bis Chiswick.
Wer wenig Erfahrung mit Gin hat, sollte zuerst einen einzigen davon in Ruhe kennenlernen, statt gleich mehrere gegeneinander zu verkosten. Erst wenn ein Profil vertraut ist, fallen die Unterschiede zum nächsten Gin wirklich auf.