
Rauch, Blume, Moor
Verkosten
Irischer Gin schmeckt selten nur nach Wacholder. Die meisten Brennereien stellen bewusst eine zweite, sehr deutliche Zutat in den Vordergrund. Wer zum ersten Mal probiert, sollte das erwarten, statt einen klassisch trockenen, kargen London Dry zu suchen.
Drumshanbo Gunpowder Irish Gin von The Shed Distillery zeigt das deutlich. In der Nase liegt zuerst eine rauchig-minzige Teenote vom Gunpowder-Grüntee. Danach folgt eine honigartige Blütensüße vom Mädesüß. Erst im Abgang meldet sich der Wacholder mit einer harzigen Schärfe.
Dingle Original Gin wirkt dagegen blumiger und krautiger zugleich. Die rote Fuchsienblüte prägt den Duft, dazu kommt eine leicht bittere, waldige Note von Moorgagel und Heidekraut im Antrunk. Im Abgang sorgt Angelikawurzel für einen erdigen Unterton.
Glendalough Wild Botanical Irish Gin schmeckt vergleichsweise frisch und grün. Er ist geprägt von Sauerampfer und Holunderblüte, dazu ein leicht harziger Nadelton von den in den Wicklow Mountains gesammelten Tannenzweigen. Die genaue Zusammensetzung wechselt laut Brennerei je nach Jahreszeit.
Beim Verkosten hilft es, den Gin zunächst pur bei Zimmertemperatur zu riechen. Den Kopf leicht neigen, damit die Alkoholschärfe nicht direkt in die Nase trifft. Erst danach einen kleinen Schluck ohne Eis nehmen. Ein Tropfen Wasser kann verschlossene Aromen öffnen, ähnlich wie beim Whiskey.
Wer die drei genannten Gins nebeneinander probiert, merkt schnell, wie unterschiedlich „irischer Gin“ klingen kann. Einmal wie Tee und Moor, einmal wie eine blühende Hecke, einmal wie ein Bergbach im Frühling. Überall steckt derselbe Wacholder im Kern.