
Riechen, kosten, Wasser
Verkosten
Wer Gin richtig verkosten will, gießt ihn pur in ein Tulpenglas, bei Zimmertemperatur. Zuerst wird gerochen, erst danach genippt. Ein Tropfen stilles Wasser danach öffnet oft Aromen, die im reinen Alkohol noch verdeckt waren, ohne den Geschmack zu verwässern. Zwischen den drei Proben lohnt sich eine Pause, sonst übertönt der erste Gin die feineren Noten des nächsten. Ein neutrales Stück Brot zwischendurch reinigt die Zunge zuverlässiger als ein Schluck Wasser.
The Botanist aus Islay zeigt sich komplex und kräuterig. Minze und Waldsalbei kommen zuerst, dann blumiges Heidekraut und eine leicht mandelige Süße vom Mädesüß, die sich erst nach und nach entfaltet. Mit jedem weiteren Schluck treten neue der 22 Wildbotanicals hervor, sodass sich das Bild im Glas ständig verschiebt.
Isle of Harris Gin startet zitrusbetont, Orangenschale und Orriswurzel stehen vorn. Dahinter liegt ein feiner, fast salziger Unterton, der vom Zuckertang stammt. Selbst geübte Gin-Trinker rechnen mit dieser Note nicht, weil kein anderer Gin sie in dieser Form zeigt. Erst beim zweiten Nasenzug wird klar, dass der Salzhauch vom Meer kommt und nicht vom Glas.
Caorunn aus Balmenach in Speyside wirkt runder und fruchtiger. Der Coul-Blush-Apfel gibt Süße, Heidekraut einen honigblumigen Zug. Erst am Ende meldet sich die Vogelbeere mit einer feinen, herben Bitterkeit, die den Abgang trocken hält. Genau dieser Wechsel von Süße zu Bitterkeit macht Caorunn im Vergleich zu den beiden Inselgins so zugänglich.