
Blasen, Dampf, Wahl
Brennen & Destillieren
Aller Gin beginnt mit reinem Alkohol, meist aus Getreide gebrannt. In Cameronbridge stehen dafür keine kleinen Kupferblasen. Stattdessen laufen hohe, durchgehend arbeitende Kolonnen. Sie holen aus vergorener Getreidemaische einen fast geschmacksneutralen Alkohol, weit über 90 Prozent Volumenanteil. Dieser Grundalkohol trägt später den Wacholder von Gordon's und Tanqueray genauso wie den von Smirnoff-Wodka.
In Girvan trennt sich der Weg dann in zwei Techniken. In der alten Potstill-Blase von 1860 liegen die Botanicals, darunter Wacholder, Koriander und Angelikawurzel, direkt im Alkohol. Sie mazerieren dort, ziehen also über Stunden ihre Öle heraus, bevor erhitzt wird. In der Carterhead-Blase von 1948 hängen andere Botanicals in einem Dampfkorb über der Flüssigkeit. Nur der aufsteigende Alkoholdampf streift sie. Genau das holt die leichteren, blumigen Noten heraus, ohne sie zu verkochen.
Edinburgh Gin destilliert deutlich kleiner. Die früheren Blasen an der Rutland Place, Flora und Caledonia genannt, fassten je nur 150 Liter, ein Bruchteil dessen, was in Girvan oder Cameronbridge in einem einzigen Durchgang läuft. Hier bleibt es beim direkten Mazerieren in kleinen Chargen, von Hand überwacht.
Wie stark am Ende destilliert wird, unterscheidet sich ebenfalls. Manche Brennereien destillieren im sogenannten One-Shot-Verfahren gleich die Menge, die später als fertiger Gin abgefüllt wird. Andere stellen ein stark konzentriertes Destillat her. Das wird erst kurz vor der Abfüllung mit viel Wasser und Alkohol verdünnt.
Ob riesige Kolonne oder Handbetrieb mit 150 Litern, am Ende steht überall dasselbe Metall: Kupfer, das die schärfsten Schwefeltöne aus dem Dampf zieht.