
Riechen, Kosten, Warten
Verkosten
Gin lässt sich am besten pur verkosten, bei Zimmertemperatur, in einem Glas mit etwas Bauch, das die Aromen sammelt. Zuerst wird gerochen, mit leicht geöffnetem Mund. Dann folgt ein kleiner Schluck, kurz im Mund gehalten, bevor er hinuntergeht. Ein paar Tropfen stilles Wasser öffnen oft weitere Aromen, die im reinen Alkohol untergehen.
Tanqueray wird seit 1998 in Cameronbridge gebrannt. Als Geschmacksbeispiel zeigt er den klassischen London-Dry-Charakter: Wacholder und Nadelholz vorn, dahinter Koriander und ein Schuss Zitrusschale, alles trocken und ohne süße Kanten. Gordon's aus derselben Anlage schmeckt in eine ähnliche Richtung. Er wirkt etwas schärfer im Wacholder, mit einer deutlichen Note von Angelikawurzel im Abgang.
Hendrick's aus Girvan verschiebt den Eindruck komplett. Rose liegt vorn, Gurke kühlt hinterher nach, und der Wacholder bleibt eher im Hintergrund. Wer London Dry gewohnt ist, empfindet das oft zuerst als seifig, bis sich das Nasenbild an die Blüte gewöhnt hat.
Edinburgh Gin Classic setzt wieder auf mehr Wacholder. Dazu kommt ein leicht erdiger, honigartiger Ton von Heidekraut. Eine trockene, krautige Bitterkeit geht nach Angaben der Brennerei auf die Mariendistel zurück.
Zwischen diesen drei Beispielen liegt eine kleine Übung für die eigene Nase: erst den reinen Wacholder suchen, dann das, was jede Brennerei zusätzlich hinzufügt, und zuletzt den Abgang, der oft am längsten in Erinnerung bleibt.
Drei Gins, kaum hundert Kilometer auseinander gebrannt, und doch reicht die Spanne von scharfem Nadelholz bis zu weicher Blüte.