
Wein statt Korn
Brennen & Destillieren
Die meisten Gins starten mit reinem Agraralkohol aus Getreide. Gin de Mahón nicht: Er wird aus Weinalkohol gewonnen, einem Destillat aus vergorenem Traubenmost, wie es in weinbauenden Mittelmeerregionen üblich war, lange bevor jemand an Gin dachte.
In der Destillerie Xoriguer im Hafen von Mahón wird in kupfernen Brennblasen gebrannt, den Alambiques, über direktem Feuer, das mit Holz befeuert wird, nicht mit Dampf oder Strom wie in den meisten modernen Brennereien. Die Wacholderbeeren mazerieren vorher im Alkohol und werden dann gemeinsam mit ihm erhitzt, sodass sich ihre ätherischen Öle im Dampf lösen.
Beim Brennen trennt der Brennmeister den Lauf in Vor-, Mittel- und Nachlauf. Nur der Mittellauf, das Herzstück des Destillats, kommt in die Flasche; Vorlauf und Nachlauf, die unerwünschte Stoffe enthalten, werden verworfen.
Der austretende Rohalkohol liegt deutlich über Trinkstärke. Erst das Verdünnen mit dem Grundwasser der Insel setzt ihn auf die vorgeschriebene Stärke herab, mindestens 38 % vol., wie es die Ursprungsbezeichnung festlegt.
Das Verfahren bleibt bewusst einfach, ohne Vakuumbrennen, ohne Carterhead-Aufsatz, mit dem sich Aromen sonst schonender herauslösen ließen. Auf Menorca zählt die alte Handwerkstechnik mehr als die neueste Anlage.
Ein solches One-Shot-Verfahren braucht Geduld: Jede Charge durchläuft den kompletten Weg von der Maische bis zur fertigen Spirituose, statt aus einem hochprozentigen Konzentrat verdünnt zu werden. Genau dieser Umweg über Wein statt Getreide macht Gin de Mahón zu einer Ausnahme unter europäischen Gins.