
Herkunft zählt
Geschützte Angaben
Genever, Gin de Mahón und Vilnius Gin dürfen sich nicht überall herstellen lassen, wo Wacholder wächst. Ihre Namen sind in der EU als geografische Angabe geschützt – anders als der einst geschützte Name Plymouth Gin.
Genever: der Wacholderahn aus den Niederlanden
Genever – auch Jenever oder Genièvre geschrieben – ist der historische Vorläufer des Gins. Er ist seit Jahrhunderten in den Niederlanden, Belgien und Teilen Nordfrankreichs verwurzelt. Die EU schützt den Namen als geografische Angabe: Nur Spirituosen aus diesen Regionen dürfen so heißen. Anders als moderner Gin basiert Genever oft auf einer Getreidemaische, die schon malzig schmeckt, bevor überhaupt Wacholder dazukommt. Diese Maische, genannt Malzwein, prägt den Charakter stärker als die Botanicals selbst.
Dieser Malzcharakter macht Genever geschmacklich eigenständig. Er wirkt schwerer, runder und weniger trocken als London Gin. Wer einen alten Genever probiert, versteht sofort, warum die Kategorie eine eigene Geschichte erzählt und getrennt von Gin geführt wird, obwohl beide Spirituosen mit demselben Wacholderstrauch beginnen. Die englische Bezeichnung Gin stammt sogar sprachlich von Genever ab, was die enge Verwandtschaft der beiden Getränke zeigt.
Gin de Mahón und Vilnius Gin: geschützte Herkunft
Gin de Mahón darf ausschließlich auf der Insel Menorca in der Stadt Mahón gebrannt werden. Die geografische Angabe ist seit 2010 EU-weit anerkannt. Besonders ist die Basis: Statt aus Getreidealkohol entsteht dieser Gin traditionell aus Weinalkohol, ein Erbe britischer Besatzer, die im 18. Jahrhundert Wacholderschnaps auf die Insel brachten. Bis heute reift ein Teil davon in Holzfässern, was auf Menorca zur eigenen kleinen Tradition wurde.
Vilnius Gin trägt den Namen der litauischen Hauptstadt. Auch er ist geschützt und darf nur dort hergestellt werden. Beide Beispiele zeigen, wie die EU regionale Handwerkstraditionen genauso schützt wie bekanntere Lebensmittel. Der Name allein garantiert eine bestimmte Herkunft, nicht zwingend eine bestimmte Qualität, ähnlich wie bei geschützten Käse- oder Wurstsorten aus einzelnen Regionen.
Plymouth Gin: geschützter Name ohne Gebietsschutz
Plymouth Gin war lange Zeit selbst eine geschützte geografische Angabe. Er durfte nur in der englischen Hafenstadt Plymouth destilliert werden. Diesen besonderen Status besitzt der Name heute nicht mehr. Inzwischen ist Plymouth Gin eine eingetragene Marke einer einzelnen Brennerei, die seit dem 18. Jahrhundert am selben Ort produziert und damit eine der ältesten noch aktiven Ginbrennereien überhaupt ist.
Für Käufer bedeutet das: Der Name auf der Flasche verrät weiterhin verlässlich, wo dieser bestimmte Gin gebrannt wird, weil es nur einen Hersteller dieser Marke gibt. Rechtlich ist das aber ein anderer Schutzmechanismus als bei Genever, Gin de Mahón oder Vilnius Gin. Diese drei sind als ganze Kategorie geschützt, Plymouth Gin nur als Firmenname, den grundsätzlich auch andere Städte für ihre eigenen Marken beanspruchen könnten.
Was der Unterschied für den Einkauf bedeutet
Wer eine geschützte geografische Angabe liest, kauft eine Garantie für Herkunft. Oft steckt auch ein traditionelles Verfahren dahinter, ähnlich wie bei Champagner oder Parmaschinken. Eine Marke wie Plymouth Gin garantiert dagegen nur den Hersteller, nicht ein ganzes Herstellungsgebiet mit mehreren Brennereien, die sich denselben Namen teilen dürften.
Für den Alltag reicht es, die vier Namen zu kennen. Genever, Gin de Mahón und Vilnius Gin stehen für geschützte Herkunft. Plymouth Gin steht für eine geschützte Marke mit langer eigener Geschichte. Beide Systeme verhindern, dass fremde Hersteller mit bekannten Namen werben, die sie sich nicht verdient haben, und schaffen so Vertrauen beim Griff ins Regal.
Ein weiteres Beispiel ist Steinhäger. Diese deutsche Wacholderspirituose stammt aus der Region um Steinhagen in Westfalen und trägt ebenfalls eine geschützte geografische Angabe. Der Mindestalkoholgehalt liegt bei 38 Prozent Vol. Anders als Gin wird Steinhäger meist aus vergorenen Wacholderbeeren selbst gebrannt, statt nur damit aromatisiert zu werden. Das bauchige Steinkrug-Gefäß gehört traditionell zur Aufmachung, ist aber keine gesetzliche Pflicht. Steinhäger zeigt: Geschützte Wacholderspirituosen beschränken sich nicht auf die drei bekanntesten Namen. In mehreren EU-Ländern existieren ähnliche regionale Traditionen. Sie stehen im Register für geschützte Angaben, ohne im Ausland breit bekannt zu sein. Wer durch Deutschland, die Niederlande oder Spanien reist, stößt deshalb immer wieder auf lokale Wacholderspirituosen mit eigenem Namen und eigener Geschichte.