
Einmal oder mehrfach
One-Shot oder Konzentrat
Nicht jede Brennerei destilliert für jede Flasche neu. Manche stellen ein starkes Konzentrat her und verdünnen es später, andere brennen jede Charge einzeln.
Was bedeutet One-Shot-Herstellung?
Beim One-Shot-Verfahren berechnet die Brennerei die Menge jedes Botanicals genau für die Menge Alkohol, die am Ende als fertiger Gin abgefüllt wird. Alle Zutaten kommen gemeinsam in eine einzige Brennblase, der komplette Lauf ergibt direkt das fertige Produkt, ohne spätere Zugabe von aromatisiertem Konzentrat.
Dieses Verfahren gilt als traditioneller und wird oft mit besonders ausgewogenen, natürlich wirkenden Gins verbunden, weil kein zusätzlicher Verdünnungsschritt mehr stattfindet. Kleinere Brennereien mit überschaubaren Abfüllmengen arbeiten fast immer so, weil sich der Aufwand pro Charge in Grenzen hält.
Wie funktioniert die Multi-Shot- oder Konzentrat-Methode?
Bei der Multi-Shot-Methode setzt die Brennerei deutlich mehr Botanicals auf dieselbe Alkoholmenge ein und erzeugt so ein hochkonzentriertes Destillat. Dieses Konzentrat wird anschließend mit zusätzlichem Neutralalkohol und Wasser gestreckt, oft auf ein Vielfaches der ursprünglichen Menge, bis die gewünschte Trinkstärke erreicht ist.
Für große Marken lohnt sich dieser Weg wirtschaftlich, weil eine Brennblase so mehr fertigen Gin pro Lauf liefert. Richtig umgesetzt kann die Qualität dabei genauso hoch bleiben wie bei One-Shot-Gins, weil die Verhältnisse der Botanicals zueinander gleich bleiben, nur eben insgesamt konzentrierter angesetzt werden.
Welche Methode passt zu welchem Anspruch?
Puristen bevorzugen häufig One-Shot-Gins, weil sie das Ergebnis als unmittelbarer und weniger industriell empfinden. Wissenschaftlich lässt sich dieser Unterschied kaum belegen, solange die Multi-Shot-Verdünnung sauber gearbeitet ist, doch als Verkaufsargument taucht die Methode auf vielen Etiketten auf.
Für Einsteiger zählt am Ende vor allem der Geschmack im Glas, nicht das Herstellungsverfahren dahinter. Beide Wege können hervorragende Ergebnisse liefern, und viele bekannte Marken setzen ganz bewusst auf Multi-Shot, ohne dass sich das negativ auf ihren Ruf auswirkt.
Wie erkennt man das Verfahren auf dem Etikett?
Die meisten Marken verraten offen, nach welchem Verfahren sie arbeiten, weil beide Wege ihre eigene Anhängerschaft haben. Steht auf dem Etikett ausdrücklich „One-Shot“ oder wird die Herstellung auf der Markenwebsite beschrieben, handelt es sich meist um ein bewusstes Verkaufsargument gegenüber Kennerinnen und Kennern.
Fehlt jeder Hinweis auf das Verfahren, lässt sich daraus nicht automatisch auf Multi-Shot schließen, denn viele One-Shot-Brennereien verzichten schlicht auf diese Angabe. Wer es genau wissen will, findet die Antwort meist über eine direkte Anfrage bei der Brennerei oder über unabhängige Fachartikel und Verkostungsnotizen.
Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei der Lagerhaltung: One-Shot-Brennereien müssen für jede Charge frische Botanicals in exakt der richtigen Menge bereithalten, während Multi-Shot-Betriebe ein konzentriertes Destillat auf Vorrat lagern und bei Bedarf einfach mit mehr Neutralalkohol und Wasser strecken können. Das macht Multi-Shot besonders praktisch für Marken, die schwankende Nachfrage schnell bedienen müssen, ohne jedes Mal eine komplette Botanical-Lieferung neu zu organisieren. Für kleine Brennereien mit festen, überschaubaren Abfüllmengen entfällt dieser Vorteil dagegen weitgehend, weshalb sie meist beim direkteren One-Shot-Verfahren bleiben. Am Ende zeigt sich: Beide Wege sind wirtschaftliche Entscheidungen, keine reinen Qualitätsfragen, auch wenn die Werbung das manchmal anders klingen lässt. Wer selbst vergleichen möchte, sollte nicht auf das Verfahren allein vertrauen, sondern mehrere Flaschen desselben Preissegments nebeneinander verkosten und sich ein eigenes Bild vom Ergebnis machen. Am Ende zählt für die meisten Trinkerinnen und Trinker ohnehin, wie ausgewogen ein Gin im Glas wirkt, nicht welches Etikett hinter dieser Ausgewogenheit steht. Ein Blick ins Glas und ein ruhiger erster Schluck verraten oft mehr über die Qualität als jede Verfahrensbezeichnung auf der Flasche.