Navy Strength Gin

Stark wie damals

Navy Strength Gin

Navy Strength Gin hat mindestens 57 Prozent vol, also deutlich mehr als der übliche Gin mit 40 Prozent. Der Name erinnert an die Royal Navy und an eine berühmte Legende ums Schießpulver.

Was bedeutet Navy Strength bei Gin?

Navy Strength ist keine gesetzlich geschützte Bezeichnung wie London Gin, sondern ein Begriff für besonders starken Gin. Üblich sind 57 Prozent vol, was der alten britischen Masseinheit „100 Proof“ entspricht. Ein normaler Gin liegt meist bei 37,5 bis 43 Prozent vol, Navy Strength liegt also gut ein Drittel darüber. Diese Konzentration verändert das Trinkerlebnis spürbar: Der Alkohol tritt stärker hervor, Wacholder und Gewürze wirken intensiver, und der Gin verträgt in Cocktails mehr Verdünnung durch Eis oder Mixer, ohne an Geschmack zu verlieren.

Weil der Alkoholgehalt so hoch ist, eignet sich Navy Strength Gin besonders für Cocktails mit viel Eis oder für kräftige Rührdrinks, bei denen ein normaler Gin schnell untergehen würde. Pur getrunken schmeckt er dagegen sehr intensiv und ist eher etwas für erfahrene Gin-Trinker.

Barkeeper nutzen die Stärke gezielt bei Drinks, die über längere Zeit im Glas stehen sollen, etwa bei gerührten Klassikern mit viel Eis im Rührglas. Weil mehr Wasser aus dem schmelzenden Eis in den Drink übergeht als bei kurz geschüttelten Cocktails, gleicht der höhere Alkoholgehalt diese zusätzliche Verdünnung wieder aus, ohne dass der fertige Drink am Ende wässrig schmeckt.

Die Legende vom Schießpulver

Die bekannteste Erklärung für den hohen Alkoholgehalt dreht sich um Schießpulver an Bord britischer Kriegsschiffe. Der Legende nach lagerten Seeleute Fässer mit Gin oder Rum dicht neben dem Schießpulver. Um zu prüfen, ob ein Fass unbemerkt mit Wasser gestreckt worden war, träufelten sie etwas von der Spirituose auf eine kleine Menge Pulver und versuchten, sie zu entzünden. Brannte das Pulver trotz der Feuchtigkeit noch zuverlässig, gab die Spirituose als „proof“ genug Alkohol her, um nicht verdünnt zu sein. Verdorbenes Schießpulver an Bord wäre im Ernstfall lebensgefährlich gewesen, die Prüfung war also keine Spielerei, sondern praktische Vorsicht.

Diese Geschichte erklärt den englischen Begriff „proof“ für den Alkoholgehalt und liefert bis heute die Erzählung hinter dem Namen Navy Strength. Ob genau 57 Prozent tatsächlich der Schwellenwert waren, bei dem Schießpulver noch zündete, lässt sich historisch nicht lückenlos belegen. Als Legende erzählt sie aber gut, warum ausgerechnet diese Stärke bis heute mit der Marine verbunden bleibt.

Interessant ist, dass der Begriff „Proof“ in Großbritannien und in den USA unterschiedlich berechnet wurde und teils noch wird. Das britische System, aus dem die Schießpulver-Erzählung stammt, unterscheidet sich zahlenmäßig vom amerikanischen Proof-System, bei dem 100 Proof lediglich 50 Prozent vol entspricht. Wer alte Angaben liest, sollte deshalb genau hinschauen, welches System gerade gemeint ist, um nicht die Alkoholstärke falsch einzuschätzen.

Navy Strength Gin heute

Plymouth stellt mit seiner Navy Strength Variante einen der bekanntesten Vertreter her, weil die Brennerei tatsächlich über Jahrhunderte die Royal Navy belieferte. Auch kleinere Brennereien wie Hayman's aus England führen eigene Navy-Strength-Abfüllungen im Sortiment. Der Stil bleibt eine Nische neben dem breiten London-Dry-Angebot, wird aber gezielt von Barkeepern geschätzt, die Cocktails mit viel Struktur bauen wollen.

Wer Navy Strength Gin kaufen möchte, findet ihn meist bei spezialisierten Spirituosenhändlern statt im breiten Supermarktregal, weil die Nachfrage kleiner ist als bei klassischem London Dry Gin. Für alle, die Gin pur oder in starken Rührdrinks schätzen, lohnt sich die Probe trotzdem.

Weil die Botanicals bei hoher Alkoholstärke intensiver hervortreten, eignet sich Navy Strength Gin auch gut, um die Zusammensetzung eines Gins genauer kennenzulernen. Wer denselben Gin einmal in der normalen und einmal in der Navy-Strength-Version verkostet, riecht und schmeckt oft deutlicher, welche einzelnen Botanicals überhaupt enthalten sind, weil sie durch den höheren Alkohol kräftiger in die Nase treten.

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