Genever

Wurzel des Gins

Genever

Genever, auch Jenever geschrieben, ist der niederländische Vorfahre des Gins. Er schmeckt malziger und schwerer als jeder Gin, weil er anders gebrannt wird.

Was ist Genever und woher kommt er?

Genever entstand in den Niederlanden und in Belgien, wo Brenner Wacholderbeeren nutzten, um medizinische Getreidedestillate schmackhafter zu machen. Namensgebend ist das französische Wort für Wacholder, „genièvre“. Der Name Genever oder Jenever ist heute als geografische Angabe geschützt, ähnlich wie Champagner: Nur Erzeuger aus den Niederlanden, Belgien sowie Teilen Frankreichs und Deutschlands dürfen ihr Produkt so nennen. Das unterscheidet ihn rechtlich vom nicht geschützten Begriff Gin.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Basis. Gin startet mit möglichst neutralem Alkohol, dem später Botanicals hinzugefügt werden. Genever dagegen enthält oft einen deutlichen Anteil sogenannten Malzweins, „moutwijn“, ein Destillat aus Roggen, Weizen und Gerste, das noch getreidig und malzig schmeckt, ähnlich wie ein junger Whisky. Wacholder kommt dazu, tritt aber geschmacklich oft hinter das Getreide zurück.

Historisch entwickelte sich Genever schon vor dem englischen Gin und gilt vielen Fachleuten deshalb als eigentliche Wurzel der ganzen Wacholderspirituosenfamilie. Britische Soldaten sollen den Genever im 17. Jahrhundert während militärischer Einsätze in den Niederlanden kennengelernt und mit nach England gebracht haben, wo daraus über die Zeit die eigenständige Ginkultur entstand.

Jonge und oude Genever im Unterschied

Genever gliedert sich in gesetzlich definierte Kategorien. Jonge Genever, „junger“ Genever, muss weniger als 15 Prozent Malzwein enthalten und darf kaum gesüßt werden, er schmeckt entsprechend neutraler und näher an Gin. Oude Genever, „alter“ Genever, bezieht sich nicht zwingend auf das Alter in Jahren, sondern auf einen traditionelleren Stil mit deutlich mehr Malzwein, oft über 15 Prozent, und etwas mehr Süße. Er schmeckt runder, schwerer und erinnert stärker an Getreidebrand.

Diese Einteilung entstand erst im 20. Jahrhundert, um die Stile klar zu trennen, nachdem sich der Geschmack vieler Genever über die Jahrzehnte in Richtung des neutraleren jonge-Stils verschoben hatte. Wer traditionellen, malzigen Genever sucht, greift also gezielt zur oude-Variante.

Für Einsteiger ist die Bezeichnung auf dem Etikett deshalb ein guter erster Anhaltspunkt. Steht „jonge“ auf der Flasche, ist mit einem leichteren, gin-näheren Geschmack zu rechnen. Steht „oude“ darauf, sollte man sich auf ein deutlich malzigeres, gehaltvolleres Getränk einstellen, das eher an einen milden Kornbrand oder jungen Whisky erinnert als an klassischen Gin.

Korenwijn und der Unterschied zu Gin

Korenwijn, wörtlich „Getreidewein“, ist die kräftigste Genever-Kategorie mit einem Malzweinanteil von mindestens 51 Prozent. Er wird häufig in Holzfässern gelagert und bekommt dadurch zusätzlich Vanille- und Gewürznoten, ähnlich wie ein milder Whisky. Für Gin-Trinker ist Korenwijn oft die überraschendste Entdeckung, weil er kaum an das erinnert, was man unter Gin versteht.

Der grundlegende Unterschied zwischen Genever und Gin bleibt die Basis: Genever baut auf malzigem Getreidebrand auf, Gin auf neutralem Alkohol mit Wacholder und anderen Botanicals obendrauf. Wer von Gin zu Genever wechselt, sollte kein ähnliches Getränk erwarten, sondern eher etwas zwischen Gin und leichtem Getreidebrand.

In den Niederlanden trinkt man Genever traditionell pur und gekühlt aus kleinen, schmalen Gläsern, oft begleitet von einem Bier daneben, statt ihn wie Gin mit Tonic Water zu strecken. Diese eigene Trinkkultur zeigt noch einmal, wie unterschiedlich Genever und Gin trotz ihrer gemeinsamen Wurzel im Alltag behandelt werden. Wer beide Getränke nur aus der Ginwelt kennt, sollte Genever deshalb eher wie einen milden Getreidebrand verkosten und nicht wie einen gewohnten Gin mit Tonic Water servieren. Pur und leicht gekühlt zeigt er am meisten.

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