Stil & Recht in der Region Kalifornien

Frei von Vorgaben

Stil & Recht

Rechtlich ist Gin in den USA einfacher geregelt als in der EU. Die Bundesverordnung 27 CFR Teil 5 der amerikanischen Alkoholbehörde TTB schreibt mindestens 40 % vol vor. Das liegt deutlich über den europäischen 37,5 % vol für Gin. Außerdem muss der Geschmack des fertigen Gins erkennbar von Wacholder kommen. Eine geschützte Herkunftsbezeichnung wie „London Gin“ oder „Genever“ kennt das amerikanische Recht so nicht. Kalifornische Brennereien dürfen solche Stilnamen deshalb frei verwenden, solange niemand in die Irre geführt wird.

Diese Freiheit ist einer der Gründe, warum in Kalifornien ein eigener Stil entstehen konnte. Er hält sich bewusst weder an London Dry noch an Genever. Kräftig im Aroma, aber nicht zwingend wacholderlastig, so lässt er sich am ehesten beschreiben. Die Botanicals wählen die Brennereien eher nach der Landschaft als nach der Kategorie aus. Für diese Haltung fand sich in den 2000er Jahren ein eigener Begriff: New Western Dry Gin.

St. George Spirits steht mit seinem Terroir Gin für die radikalste Ausprägung dieses Stils. Wacholder ist zwar vorhanden, tritt aber hinter Douglasie, Lorbeer und Salbei deutlich zurück. Mancher Verkoster erkennt darin auf den ersten Schluck kaum einen klassischen Gin. Junípero dagegen hält bewusst am kräftigen, wacholderbetonten London-Dry-Stil fest. So bestehen beide Richtungen bis heute in derselben Stadt ganz selbstverständlich nebeneinander.

Wer die Etiketten liest, findet trotzdem eine Gemeinsamkeit zwischen den Marken. Die meisten kalifornischen Gins liegen mit 45 bis knapp 50 % vol spürbar über dem gesetzlichen Minimum. Das zeigt, dass den Brennereien Aroma-Intensität wichtiger ist als die blosse Erfüllung der Vorschrift.

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