
Wald im Glas
Verkosten
Wer kalifornischen Gin zum ersten Mal probiert, sollte sich von der Erwartung an klassischen Wacholder lösen. Am besten hilft es dabei, ganz genau und in Ruhe hinzuriechen. Bei St. George Spirits' Terroir Gin dominiert zuerst Nadelholz und Harz. Dahinter treten Zitrus und eine leicht menthol-artige Kühle hervor. Das ist vor allem das Ergebnis von Douglasie und kalifornischem Lorbeer. Reiner Wacholder tritt in diesem Gin fast ganz in den Hintergrund.
Botanivore dagegen zeigt, wie ein Gin mit 19 Botanicals trotzdem ausbalanciert wirken kann. Würzig durch Kardamom und Fenchel, dazu eine grüne, krautige Seite durch Koriander und Dill. Am Ende bleibt im Abgang noch eine feine Bitterkeit zurück. Junípero bleibt dagegen der Referenzpunkt für den kräftigen, klassischen Stil. Viel Wacholder, dazu Anis und Zitrusschale, prägen ihn ganz deutlich. Er bleibt hochprozentig und wird nicht kältegefiltert, was ihm eine leicht öligere Textur gibt.
Zum reinen Verkosten hilft ein ungekühlter Schluck bei Trinkstärke und angenehmer Zimmertemperatur. Am besten eignet sich dafür ein schmales Glas, das die Aromen nach oben trägt. Ein kleiner Schluck Wasser zwischendurch reinigt zuverlässig die Nase. Das kennt man in ähnlicher Form auch von einer Wein-Verkostung. So wird der Unterschied zwischen den drei genannten Gins am Ende deutlich klarer erkennbar.
Wer zusätzlich Zeit hat, riecht nach zwei, drei Minuten Standzeit noch einmal am offenen Glas. Manche der harzigen Noten aus Douglasie und Salbei verändern sich in der Luft merklich. Nach kurzer Zeit wirken sie oft schon runder als direkt nach dem Einschenken.