
Glas und Geduld
Verkosten
Wie schmeckt Rum aus Barbados pur? Meist weich und warm: Karamell, Vanille, gebrannte Mandel, getrocknete Aprikose und Orangenschale, dazu etwas Holz. Fruchtester wie bei Jamaika bleiben im Hintergrund, der Abgang ist mittellang und mild. Das macht ihn zu einem guten Einstieg. Wer sonst Whisky trinkt, erkennt in der Vanille und der Holzwürze manches wieder, nur mit mehr Süße im Geruch und weniger Rauch oder Torf.
Zwei Flaschen aus Bridgetown taugen als Beispiele. Der Barbados XO 20th Anniversary von Planteray reift nach Angaben des Hauses zweimal, auf Barbados und in Frankreich. Stade's ist die Hausmarke der West Indies Rum Distillery und zeigt, wie die Brennerei unter eigenem Namen klingt.
Als Glas eignet sich ein Nosing-Glas oder ein kleines Tulpenglas, das die Aromen sammelt. Der Rum darf Zimmertemperatur haben, kalt verschließen sich seine Aromen. Zuerst riecht man kurz, dann nimmt man einen kleinen Schluck und lässt ihn einen Moment im Mund.
Wasser öffnet einen 40-prozentigen Rum nur wenig, ein paar Tropfen genügen, wenn er scharf wirkt. Bei höheren Stärken ändert Wasser deutlich mehr. Ob pur oder mit Wasser, ist Geschmackssache; erst ohne, dann mit einem Tropfen zeigt den Unterschied am besten.
Verkostungen bieten auch die Besucherzentren der Brennereien an, in Bridgetown etwa das von Mount Gay. Wer wissen will, welcher Rum sich am besten zum Pur-Trinken eignet, probiert am besten nebeneinander: einen jungen, einen gereiften und einen mit Zweitreifung.