
Rohr auf Korallenkalk
Zuckerrohr & Melasse
Von Speightstown aus steigt das Land nach Osten sacht an, und je höher man kommt, desto mehr Rohrfelder säumen die Straße. Das Fundament der Insel ist Korallenkalk, ein poröser Stein, der Regenwasser wie ein Sieb durchlässt und nur eine dünne Bodenschicht trägt, auf der Zuckerrohr dennoch gedeiht. Zugleich filtert der Kalk das Grundwasser. Mount Gay nennt als Wasserquelle einen historischen Brunnen auf dem eigenen Gelände.
Wie dicht die Zuckerwirtschaft einst war, zeigt eine Erhebung der Jahre 1717 bis 1721: Sie führt 870 Güter und 320 Windmühlen zur Zuckerherstellung auf Barbados auf. Von Speightstown liefen Schiffe mit Zucker direkt nach London und Bristol, weshalb der Hafen auch „Little Bristol“ genannt wurde. Geerntet wird das Rohr im ersten Halbjahr, und das Ende der Ernte feiert die Insel bis heute mit dem Fest Crop Over.
Aus dem Rohr entstehen drei Rohstoffe, die dem Rum später verschiedene Gesichter geben. Melasse ist die dunkle, zähe Restmasse, die übrig bleibt, wenn dem Saft der kristallisierbare Zucker entzogen wurde. Aus ihr brennt Mount Gay. Zuckerrohrsaft ist der frisch gepresste Saft, der rasch zu gären beginnt. Sirup ist eingedickter Saft, haltbar und das ganze Jahr verarbeitbar.
St Nicholas Abbey geht den kürzeren Weg. Auf dem rund 160 Hektar großen Gut wachsen nach Angaben des Hauses etwa 90 Hektar Zuckerrohr, das die eigene Dampfmühle presst und zu Sirup verarbeitet. Zuckerfabrik und Brennerei sind hier kein Gegensatz, sondern ein einziger Hof, wie ihn Plantagen im 18. Jahrhundert waren, nur ohne die Zwangsarbeit.