
Rohr im Südosten
Zuckerrohr & Melasse
Woher kommt die Melasse für Rum aus Barbados? Zum größten Teil von der Insel selbst, aus Zuckerrohr, das in Gemeinden wie St. Philip wächst. Der Südosten ist verhältnismäßig flach; wer am Leuchtturm von Ragged Point steht, der 1875 gebaut wurde, sieht das Land bis zum Horizont. Die Insel sitzt auf Korallenkalk, der Regen schnell versickern lässt, und Zuckerrohr kommt mit solchen Böden zurecht.
Geerntet wird in der ersten Jahreshälfte. 2025 endete die Kampagne Anfang Juni, private Pflanzer lieferten damals rund 96 000 Tonnen Rohr. Verarbeitet wird es in der Zuckerfabrik Portvale in St. James, der einzigen der Insel. Sie erzeugte 2025 gut 8 000 Tonnen Zucker, etwa 73 Prozent des Ziels von 11 000 Tonnen.
Was bleibt, wenn der Zucker auskristallisiert ist? Melasse, eine dunkle, zähe Restmasse, die immer noch vergärbaren Zucker enthält. Je gründlicher die Fabrik Zucker herauszieht, desto weniger bleibt in der Melasse, darum gleicht keine Charge der anderen. Foursquare destilliert Melasse, wie fast alle Brennereien der Insel.
Zuckerrohrsaft ist der frisch gepresste Saft der Pflanze und gärt innerhalb weniger Stunden, er muss rasch verarbeitet werden. Sirup entsteht, wenn der Saft eingedickt wird. Alle drei Rohstoffe erlaubt die EU für Rum. Wer wissen will, wie sich Saftrum anfühlt, findet ihn bei den französischen Antillen, wo er als Rhum agricole läuft.
Die Landwirtschaft hat Barbados auch in der Forschung geprägt: Ende des 19. Jahrhunderts arbeitete auf der Insel eine britische Züchtungsstation, die neue Rohrsorten entwickelte. Der Zucker hat die Insel auch äußerlich verändert. Die Felder und alten Windmühlen-Türme stammen aus einer Zeit, in der fast alles auf dieses eine Gewächs ausgerichtet war.