
Engenhos und Siegel
Region & Geschichte
Was ist Cachaça und woher kommt sie? Der Weg führt nach São Vicente an der Küste, wo Portugiesen im 16. Jahrhundert Zuckerrohr pflanzten. Der Historiker Luís da Câmara Cascudo setzt den ersten Brand auf 1532; die schriftlichen Belege gelten als dünn, deshalb bleibt es eine Überlieferung. Danach wäre Cachaça älter als das Wort Rum, das erst im 17. Jahrhundert auf Barbados aufkam.
Gearbeitet wurde in den Zuckermühlen, den engenhos. Dort schnitten, pressten und kochten versklavte Menschen aus Afrika das Rohr; die Sklaverei endete in Brasilien erst 1888 mit dem Goldenen Gesetz, der Lei Áurea. Für den Namen Cachaça kursiert eine Erklärung, nach der Versklavte den Schaum abschöpften, der beim Kochen des Saftes aufstieg, und ihn vergären ließen. Ob das stimmt, ist nicht gesichert.
Heute ordnet das Decreto 6.871 vom 4. Juni 2009 den Markt. Es setzt das Gesetz 8.918 von 1994 um, und sein Artikel 53 nennt Cachaça die „typische und exklusive“ Bezeichnung für Zuckerrohr-Aguardente aus Brasilien. Der Name gehört damit dem Land und ist keine Unterart von Rum.
Einzelne Orte schützen ihre Herkunft zusätzlich. Paraty im Bundesstaat Rio de Janeiro erhielt am 10. Juli 2007 vom Patentamt INPI eine Indicação de Procedência, eine Herkunftsangabe; inzwischen wurde daraus die strengere Denominação de Origem. Salinas in Minas Gerais folgte 2012 mit einer Indicação de Procedência.
Wie viele Brennereien es gibt, zählt jede Quelle anders. Der Branchenverband IBRAC spricht von knapp 2.000 registrierten Herstellern mit etwa 4.000 Marken. Je nach Quelle kommen 70 bis 75 Prozent der Menge aus industriellen Betrieben, der Rest aus kleinen Kupferbrennereien, den Alambiques. In der EU steht Cachaça auf der Liste der brasilianischen Bezeichnungen, die das Abkommen mit dem Mercosur schützen soll.