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Zuckerrohr & Melasse in der Region Flensburg: Rumstadt an der Förde

Fracht aus Westindien

Zuckerrohr & Melasse

Wer in Flensburg nach Zuckerrohrfeldern sucht, findet keine. Das Gras braucht Wärme, und die Förde liegt weit außerhalb der Zone, in der es wächst. Was die Stadt zum Rumort machte, kam von St. Croix, St. Thomas und St. John, wo das Rohr auf Plantagen stand. Versklavte Menschen schnitten es dort von Hand und fuhren es zu den Mühlen.

In den Mühlen wurde der Saft ausgepresst und eingekocht. Dabei fielen Rohzucker und Melasse an, ein dunkler, zähflüssiger Rest, aus dem sich kaum noch Zucker gewinnen lässt. Auf St. Croix trieb vielerorts der Wind die Mühlen an, Reste solcher Türme stehen dort noch.

Melasse ist der Rohstoff der meisten Rums. Frischer Zuckerrohrsaft, direkt vergoren, ergibt dagegen den Rhum agricole, Sirup liegt dazwischen. Nach EU-Recht darf Rum ausschließlich aus einem dieser Zuckerrohrprodukte stammen. Alkohol aus Zuckerrüben oder Kartoffeln ist kein Rum, auch wenn er braun in der Flasche steht.

In Flensburg war das Zuckerrohr nur Fracht. Der Rohzucker ging in städtische Zuckersiedereien, der Rum in die Häuser. Wer heute der Rum- und Zuckermeile folgt, sieht die Kaufmannshöfe und Speicher, in denen die Ladungen aus Westindien lagen und weiterverkauft wurden.

Im Schifffahrtsmuseum am Hafen gehört der Zucker zu einer eigenen Abteilung, die Zucker, Rum und Sklaverei gemeinsam zeigt. Das ist die richtige Reihenfolge: erst die Arbeit auf den Feldern, dann der Handel, zuletzt das Glas.

Dazu im Lexikon

Rhum Agricole aus frischem ZuckerrohrsaftWie viel Zucker im Rum stecken darf
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