
Rohr im Osten
Zuckerrohr & Melasse
Fährt man von Santo Domingo nach Osten, Richtung San Pedro de Macorís und La Romana, liegen Zuckerrohrfelder in der flachen Küstenebene. Der Südosten ist die klassische Zuckerregion des Landes, und das prägt den Rum bis in die Flasche.
Zuckerrohr ist ein Gras, das mehrere Meter hoch wird. Nach der Ernte, der zafra, muss es schnell in die Fabrik, den ingenio, denn der Saft verliert nach dem Schnitt rasch an Zucker. Dort presst man das Rohr aus und kocht den Saft ein, bis Zuckerkristalle entstehen. Auf dem Feld bleibt nur die Stoppel zurück, aus der im nächsten Jahr neue Triebe wachsen.
Was die Kristalle zurücklassen, ist die Melasse: dunkel, zähflüssig, süß, aber nicht mehr wirtschaftlich zu kristallisieren. Sirup nennt man den eingedickten Saft, der noch nicht in Kristalle und Rest getrennt ist. Frischer Zuckerrohrsaft schließlich ist die dritte Möglichkeit, aus der Rhum Agricole entsteht, der hier aber keine Rolle spielt.
Dominikanische Häuser brennen überwiegend Melasse, wie es für den spanischen Stil üblich ist. Der Rum schmeckt dadurch runder und weniger grasig als ein Saftrum, wie ihn Martinique macht. Für die geschützte Bezeichnung Ron Dominicano muss das Zuckerrohr aus dem Land stammen.
Was die Fabrik an Melasse abgibt, geht an die Brennereien. Auch Brugal, dessen Firmengeschichte im Norden beginnt, ist mit San Pedro de Macorís verbunden. Zucker und Rum teilen sich hier also dasselbe Rohr und oft dieselbe Landschaft, nur der Weg danach ist ein anderer.