
Kolonne und Aufsatz
Brennen
Zwei Bauarten dürfen für den Rhum de la Guadeloupe brennen. Die eine ist die Kolonne, ein hoher Turm mit Böden, durch den der Dampf aufsteigt. Die andere ist eine Brennblase mit Kolonnenaufsatz, deren Kessel höchstens 30 Hektoliter fassen darf. Beides erlaubt die Herkunftsangabe.
Die Kolonne arbeitet ohne Pause: Oben läuft Alkohol ab, unten wird laufend frische Maische nachgefüllt. Auf jedem Boden verdampft und kondensiert die Flüssigkeit neu, und mit jedem Boden steigt der Alkoholgehalt. Das Ergebnis ist ein sauberes, leichteres Destillat, in dem das Rohrsaftaroma deutlich bleibt.
Die klassische Pot Still, ein Kupferkessel ohne Turm, füllt man dagegen Charge für Charge. Sie liefert ein schwereres, öligeres Destillat mit mehr Begleitstoffen. Auf Grande-Terre ist sie nicht das Leitbild. Damoiseau brennt nach den vorliegenden Angaben in einer durchlaufenden Kolonne.
Das Destillat kommt deutlich stärker aus der Anlage, als es später ins Glas kommt. Die Brenner verdünnen es mit Wasser auf die Abfüllstärke. Beim Blanc von Damoiseau sind das 40, 50 und 55 Prozent Alkohol, wie die Brennerei und Händler angeben. Der Ambré liegt bei 40 Prozent, der Rhum vieux VSOP bei 42 Prozent.
Kupfer hat auch in der Kolonne eine Aufgabe, denn es bindet unangenehme Schwefelverbindungen aus dem Dampf. Wie viel Kupfer in der jeweiligen Anlage steckt, hängt vom Hersteller ab. Auf Grande-Terre ist die Arbeitsteilung klar: Die Zuckerfabrik Gardel liefert Zucker und Melasse, die Brennerei Damoiseau presst eigenes Rohr für den Rhum agricole.