
Saft, Melasse, Fass
Rumstil
Auf Grande-Terre laufen drei Stile nebeneinander, und sie beantworten die Frage, was Rhum agricole und Rhum de sucrerie unterscheidet. Der erste ist der Rhum agricole blanc. Er entsteht, wie bei Damoiseau, aus frisch gepresstem Rohrsaft, wird in der Kolonne gebrannt und kommt ungereift ins Glas. Er riecht nach Zuckerrohr, Gras und weißem Pfeffer.
Der zweite ist der Rhum de sucrerie. Sein Rohstoff ist Melasse oder Sirup aus einer Zuckerfabrik wie Gardel, und der Name sagt es: Er stammt aus dem Nebenstrom der Zuckerherstellung, nicht aus dem Rohrfeld. Er schmeckt runder und süßlicher, mit Noten von Karamell und dunklem Zucker. Auf Guadeloupe ist er ein eigener, rechtlich festgelegter Weg.
Der dritte Stil ist der Rhum vieux. Er ist meist ein Agricole, der Jahre im Fass verbracht hat. Aus dem klaren Grassaft wird dann ein Rum aus Vanille, Röstholz und Trockenfrucht, oft mit 42 Prozent abgefüllt. Die Reifung macht den Unterschied: Das Fass rundet das grüne Profil und gibt ihm Tiefe.
Zum Nachbarn Martinique zeigt sich der Unterschied in den Papieren. Martinique hat die AOC mit festen Mindestzeiten für VO, VSOP und XO. Guadeloupe hat nur die geschützte geografische Angabe und lässt zusätzlich die Melasse-Mention zu. Beide Inseln brennen Saftrum, aber unterschiedlich streng reguliert.
Im Steckbrief stehen die drei Stile Grande-Terres mit ihren üblichen Werten. Die Zahlen beschreiben übliche Abfüllungen, keine Gesetze, und Handelsbegriffe wie „Ambré“ erscheinen dort nicht, weil sie nichts über das Verfahren sagen.
Rhum agricole blanc (Guadeloupe)Zuckerrohrsaft · Kolonne
- Alkohol
- 40–55 % vol
- Reife im Fass
- 0 Jahre
Grasig und frisch, Zuckerrohr, weißer Pfeffer; ungereift, trocken im Abgang.