
Blanc, Wasser, Holz
Verkosten
Wer zum ersten Mal einen Rum von Marie-Galante verkostet, beginnt am besten mit dem Blanc. Bielle, Père Labat und Bellevue füllen je einen weißen Rum mit 59 Prozent ab, Bellevue dazu einen mit 50 Prozent und Père Labat einen Bio-Blanc mit 52. Vergleicht man zwei davon nebeneinander, erkennt man den Stil der Häuser.
Dafür eignet sich ein kleines Nosing-Glas in Tulpenform, das die Aromen oben bündelt. Bei 59 Prozent riecht man aus einigen Zentimetern Abstand. Wer die Nase tief ins Glas steckt, spürt vor allem Alkohol. Die Temperatur liegt am besten bei Zimmerwärme, etwa 18 bis 20 Grad, denn ein kalter Rum verschließt die Nase.
Ein Teelöffel Wasser verändert den Charakter. Pur wirkt der Blanc scharf und grasig, mit Wasser öffnen sich Zitrus und Pfeffer, und die Süße des Rohrs tritt hervor. Am besten geht man tropfenweise vor und riecht nach jedem Tropfen, bis man die eigene Stärke gefunden hat.
Was man typischerweise findet: Bei Père Labat beschreibt das Haus frisches Rohr, Pfeffer, Zitrus und lebhafte Mineralität. Rums von Marie-Galante gelten allgemein als kräftiger, fruchtiger und frischer im Bukett als andere Rhum agricoles. Bellevue wirbt zudem mit seinen mehrfach ausgezeichneten Blancs.
Danach lohnt der Vergleich mit einem gereiften Rum, etwa einem Jahrgang von Père Labat oder einem Bielle in Fassstärke mit gut 54 Prozent. Hier rückt das Holz nach vorn, die Rohrfrische bleibt als Unterton. Wie man gereiften Rum pur beurteilt, steht im Beitrag zum Pur-Trinken.