
Teer, Rauch, Frucht
Verkosten
Auf einem Holztresen stehen vier Gläser mit einem Schluck dunklem Rum: Port Mourant, Versailles, Enmore und Uitvlugt. Jedes Glas hat seine Handschrift, und wer sie nebeneinander riecht, versteht, was ein Marque ist. Am besten gelingt der Vergleich mit einem Nosing-Glas, das oben schmaler wird und die Aromen sammelt. Der Rum darf Zimmertemperatur haben.
Port Mourant riecht für viele nach Teer, dunkler Frucht und einer ölig-dichten Tiefe, die lange am Glas bleibt. Verkoster nennen auch Lakritz und Rauch. Bekannt sind Einzelfassabfüllungen unabhängiger Abfüller, etwa ein Port Mourant von 1990 von James MacArthur, den Sammler bis heute führen.
Versailles wirkt häufig herber und trockener, mit Holz, Tabak und Frucht, die eher an getrocknete Früchte als an frische erinnert. Von Uitvlugt gibt es Abfüllungen aus der Savalle, etwa einen Uitvlugt von 1998 von Silver Seal. Er ist leichter, würziger und schlanker als die Holz-Pot-Rums.
Enmore, als EHP bekannt, hat eine Velier-Abfüllung unter dem Namen Enmore, die Leder, Lakritz und trockene Frucht zeigt. Die Coffey-Still liefert einen Rum, der weniger schwer wiegt und dennoch Charakter hat. Wer zwei Marken direkt vergleicht, merkt sofort: Es geht nicht um süß oder trocken, sondern um Dichte.
Pur schmeckt der Rum am deutlichsten, ein paar Tropfen Wasser öffnen ihn bei höherer Stärke. Dann treten Frucht und Holz stärker hervor, während das Brennen am Gaumen nachlässt. Ein Schluck genügt, um die Linie einer Marke zu erkennen. Wer mehr wissen möchte, lässt sich Zeit und hält das Glas ruhig.