
Rohr, Kalk, Melasse
Zuckerrohr & Melasse
Aus welchem Rohstoff entsteht der Rum von Hampden und Long Pond? Aus Melasse, dem dunklen, zähen Rest, der übrig bleibt, wenn aus eingekochtem Zuckerrohrsaft die Zuckerkristalle abgetrennt wurden. Melasse hält sich und lässt sich lagern, frischer Saft dagegen verdirbt binnen Stunden oder Tagen und muss sofort verarbeitet werden.
Der Untergrund rund um die beiden Brennereien ist Kalkstein. Das Cockpit Country ist eine Karstlandschaft mit steilen, bewaldeten Kuppen und kesselförmigen Senken, den Cockpits, in denen Regenwasser rasch im Boden verschwindet. Hampden liegt im Queen-of-Spain-Tal in Trelawny. Die Zuckergüter nutzten die Täler und Hänge, auf denen sich Rohr pflanzen ließ.
Im späten 18. Jahrhundert, auf dem Höhepunkt des Zuckergeschäfts, entstanden die meisten Herrenhäuser des Parish, so auch das Great House von Hampden im Jahr 1779. Der Reichtum hinter diesen Häusern beruhte auf der Arbeit versklavter Menschen. Nach der Abschaffung der Sklaverei und dem Wegfall von Zollvorteilen brach das Geschäft ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein.
Die Zuckerfabrik von Hampden stellte Ende 2002 den Betrieb ein, die Brennerei läuft bis heute. Zuckerrohrsaft, Sirup und Melasse führen zu unterschiedlichen Rumtypen. Frischer Saft ergibt den Rhum agricole, Sirup ist eingedickter Saft und lässt sich das ganze Jahr verarbeiten. Die Regeln für Jamaika erlauben alle drei Rohstoffe, in Trelawny ist die Melasse die Grundlage der schweren, ausgeprägten Rums.
Auch das, was vom Rohr nach dem Pressen übrig bleibt, hängt an der Gärung. Die Faserreste, die Bagasse, landen nach Berichten in den Muck-Gruben des Gutes und füttern dort die Bakterienbrühe, die später den Geschmack prägt. So wirkt das Rohr bis in den Rum hinein, auch wenn der Zucker längst anderswo verarbeitet wurde.