
Leicht und trocken
Verkosten
Ein Glas Ron Santiago de Cuba Carta Blanca riecht zuerst nach wenig: ein bisschen Zuckerrohr, ein Hauch Vanille, vielleicht etwas Zitrusschale. Der Rum ist typischerweise leicht, trocken bis weich und im Abgang kurz. Wer daneben einen Bacardí Superior stellt, findet einen verwandten, aber im Detail anderen Charakter.
Der Extra Añejo 11 Años mit 40 Prozent Alkohol zeigt, was die Jahre im Fass gebracht haben. Man erwartet dunkleres Holz, geröstete Nüsse, Trockenobst und Kakao, dazu die Süße von Karamell. Wie viel davon im Glas erscheint, hängt von der Charge und vom Alter des Rums ab. Die Maestros del Ron, die kubanischen Mischmeister, stimmen die Fässer so aufeinander ab, dass jede Flasche ähnlich schmeckt.
Ein tulpenförmiges Nosing-Glas hält die Aromen zusammen. Für den hellen Rum genügt ein Tumbler, ein schlichtes, flaches Glas. Raumtemperatur um 18 bis 20 Grad lässt die Aromen am deutlichsten hervortreten, denn Kälte dämpft sie.
So geht man vor: erst riechen, mit offenem Mund, damit der Alkohol nicht sticht, dann einen kleinen Schluck im Mund bewegen und einen Moment warten. Mit wenigen Tropfen Wasser lässt sich ein Rum öffnen, bei 40 Prozent ist das selten nötig.
Pur zu verkosten heißt, den Rum ohne Zutaten kennenzulernen, und genau darum geht es hier: nicht um Menge, sondern um Wahrnehmung. Wer Carta Blanca und Añejo nacheinander probiert, versteht den Weg vom frischen Destillat zum Holzrum.