
Kupfer und Dampf
Brennen
Bei La Favorite stehen zwei Kreolsäulen, so heißen die kontinuierlich laufenden Brennsäulen Martiniques. Die eine ist nach Angaben des Hauses ganz aus Kupfer gebaut und läuft seit 1957, die andere stammt von 1986.
Wie arbeitet so eine Säule? Der vergorene Saft läuft oben ein und rinnt über Böden nach unten, Dampf steigt ihm entgegen und nimmt auf jedem Boden mehr Alkohol mit. Oben treten die Dämpfe aus und werden wieder zu Flüssigkeit abgekühlt. Der Kupferanteil ist kein Schmuck, denn Kupfer bindet unangenehme Schwefelverbindungen und macht den Rum sauberer. Weil Saft ständig nachläuft, muss niemand die Säule zwischendurch leeren.
Wie stark ist das Destillat? Die AOC lässt am Auslauf 65 bis 75 % vol zu. Clément bietet unter dem Namen L’Initial eine Abfüllung als Brut de Colonne mit 71,4 % vol an. Brut de Colonne heißt, dass der Rum nicht auf Trinkstärke verdünnt wurde.
Bei Clément brennt nicht das Gut selbst, sondern die Distillerie Simon in Le François, die auch den Rum der HSE brennt. Eine Marke und ihre Brennerei sind also nicht immer dasselbe, und wer ein Haus besucht, fragt besser danach, wo tatsächlich gebrannt wird.
In Rivière-Pilote brennt La Mauny, und dort bündelte die Gruppe BBS seit 2003/04 auch die Destillation von Trois-Rivières. Aus einer Brennerei kommen damit zwei Marken mit eigenem Namen und eigener Geschichte. Aus dem Destillat entstehen jeweils der blanc, der nach der Ruhe im Tank in die Flasche geht, und der Rum, der in die Fässer wandert.