
Saftbrand aus Mexiko
Rumstil
Charanda lässt sich in zwei Stilen denken, und beide teilen denselben Rohstoff: Zuckerrohrsaft oder dessen Folgeprodukte. Die Blanca ist ungereift und zeigt, was Boden und Rohr geben, süßliche, grasige, manchmal leicht erdige Töne, wie man sie von Saftbränden kennt. Die gereifte Charanda gibt dem Saftcharakter Holz dazu, Karamell, Vanille, Gewürz.
Der Unterschied zum Rhum agricole der Antillen liegt vor allem im Recht. Beide stammen aus Saft. Agricole ist in der EU an die französischen Überseegebiete und Madeira gebunden, Charanda an die 16 Gemeinden in Michoacán. Wo die Antillen eine Kreolsäule nutzen, nennt die Schutzerklärung für Charanda keine bestimmte Brenntechnik.
Gegenüber Tequila und Mezcal ist der Fall klar: Charanda ist kein Agavenbrand. Tequila und Mezcal entstehen aus den Herzen der Agave, Charanda aus Zuckerrohr. Wie die beiden trägt sie eine mexikanische Herkunftsbezeichnung, doch zu Rum gehört sie nicht. Die Agavenbrände sind Thema der Tequila-Reise, hier genügt der Hinweis.
Der Vergleich mit Rum fällt je nach Sorte anders aus. Gegenüber einem Melasserum aus Barbados oder Guyana ist Charanda leichter und pflanzlicher, weil sie vom Saft lebt und nicht von der dunklen Melasse. Gegenüber dem Spanischen Stil aus Kuba oder Venezuela wirkt sie rustikaler, denn dort nehmen Säulenbrand und Kohlefilter dem Rum viel von seinem Eigengeschmack. Eine Charanda soll nach dem Rohr schmecken, aus dem sie kommt, und das ist ihr wichtigstes Merkmal.
Auch zu Cachaça besteht ein Abstand. Cachaça ist Brasilien vorbehalten und an 38 bis 48 Volumenprozent gebunden. Charanda hat ihre eigene Region, ihren eigenen Namen und ihre eigene Norm, die NOM-144-SCFI-2000. Das gemeinsame Merkmal der Saftbrände ist der Rohstoff, nicht die Herkunft.
Charanda blancaZuckerrohrsaft · Brennblase
- Alkohol
- 38–54 % vol
- Reife im Fass
- 0 Jahre
Süßlich-grasig, frisches Rohr, leicht erdig, klar und direkt im Abgang.