
Rohr, Holz, Geduld
Verkosten
Wer Charanda verkostet, beginnt am besten mit der Blanca und einem kleinen Nosing-Glas, das sich nach oben verjüngt und die Aromen bündelt. Raumtemperatur ist richtig, denn Kälte nimmt dem Zuckerrohr seine Süße. Zuerst riecht man, ohne zu trinken. Dann nimmt man einen kleinen Schluck und lässt ihn kurz im Mund.
Was dabei auffällt, hängt vom Haus ab. Eine Blanca ist meist süßlich, grasig und klar, fast ohne Holz. Ein gereifter Charanda legt Karamell, Vanille und Gewürz dazu, die Farbe wandert nach Bernstein. Mexikanische Fachmedien beschreiben das Profil als komplex und fruchtig, mit Karamell, Vanille und Gewürznoten; das trifft eher die gereiften Abfüllungen.
Als Beispiele eignen sich zwei Namen, die in der Region bekannt sind: Tarasco mit den Abfüllungen Blanco, Reposado und Añejo sowie Uruapan mit Blanco, Plata und Real de Uruapan. Alle drei Stufen derselben Marke nacheinander zu probieren zeigt am schnellsten, was das Fass an einem Saftbrand verändert.
Pur lässt sich der Stil am besten beurteilen. Ein Tropfen Wasser macht den Brand weicher und öffnet Aromen, vor allem bei höherer Stärke. Wer eine Abfüllung am oberen Ende der Spanne von 38 bis 54 Volumenprozent hat, wird den Effekt merken.
Zwei Dinge helfen beim Urteilen. Erstens: gegen einen Rhum agricole blanc probieren, der ebenfalls aus Saft stammt. Zweitens: gegen einen Tequila blanco probieren, um den Abstand von Agave und Zuckerrohr zu hören, süßlich-grasig gegen pflanzlich-würzig.