
Vanille und Holz
Verkosten
Wie trinkt man Ron Abuelo am besten? Zuerst pur, bei Zimmertemperatur, in einem Nosing-Glas oder einem kleinen Tulpenglas. Die schmale Öffnung bündelt die Aromen, und bei einem leichten Rum sind sie fein. Ein Tropfen Wasser kann sie öffnen, muss aber nicht sein.
Beim Verkosten fällt zuerst die Farbe auf. Ein Abuelo Añejo schimmert goldbraun, Abfüllungen mit 12 Jahren dunkler. Im Duft erscheinen bei diesem Stil oft Vanille, Karamell und Backgewürz. Im Mund folgen Trockenfrüchte, Orangenschale und Holz, der Alkohol ist mit 40 % vol mild, die Textur eher weich als scharf. Die Länge, also die Zeit, die der Geschmack nach dem Schlucken bleibt, ist bei der älteren Abfüllung deutlich größer.
Drei Beispiele von Varela Hermanos aus Pesé erklären den Hausstil. Abuelo Añejo ist der Einstieg und zeigt die leichte Linie ohne langes Holz. Abuelo 12 Años steht für die ältere Mischung mit mehr Eiche, Röstnoten und Länge. Der Seco Herrerano zeigt dazu den ungereiften Gegenpol: klar, trocken, mit leichter Zuckerrohrnote. Beim Seco lohnt der Vergleich mit einem Wodka: Er riecht nach Zuckerrohr, wo ein Wodka neutral bleibt.
Im Vergleich zu einem Jamaika-Rum wirkt der Abuelo ruhig. Er will keine Frucht herausschreien, sondern Holz und Süße gleichmäßig tragen. Pur getrunken wirkt der Añejo süßer, mit einem Tropfen Wasser tritt das Holz klarer hervor. Das erleichtert den Einstieg, verlangt aber ein genaues Hinsehen auf kleine Unterschiede zwischen Añejo und 12 Jahren.
Ein Tipp für Vergleiche: Zwei Gläser nebeneinander, zuerst der jüngere Rum, dann der ältere, dazwischen Wasser und ein neutrales Stück Brot. So lassen sich Holz und Süße trennen. Der Seco braucht kein Holz und verträgt gekühlt serviert eine klare Linie.