
Melasse und Vega
Zuckerrohr & Melasse
Warum wuchs ausgerechnet hier Zuckerrohr? Die Pflanze ist ein Gras, das mehrere Meter hoch wird, und sie verlangt Wärme, viel Wasser und einen Winter ohne Frost. Die Küste von Motril bietet das alles: ein mildes Klima ohne Winterstrenge, reichlich Wasser aus der Sierra Nevada und fruchtbaren Schwemmboden in der Vega des Guadalfeo.
Geerntet wird in einer Kampagne, spanisch zafra. Das geschnittene Rohr muss rasch in die Mühle, weil der Saft im Halm sonst an Zucker verliert. In der Fabrik von La Caleta wurde der Saft gepresst, eingekocht und zu Kristallzucker verarbeitet. Als Nebenprodukte nennen die Denkmalakten der Junta de Andalucía Melasse, Bagasse und Alkohol.
Was ist Melasse? So heißt der braune, zähe Rest, der übrig bleibt, wenn aus dem eingekochten Saft der Zucker auskristallisiert ist. Er enthält noch reichlich vergärbaren Zucker und ist deshalb ein klassischer Rohstoff für Rum. Bagasse sind die ausgepressten Fasern des Rohrs, die nach dem Pressen übrig bleiben.
Drei Ausgangsstoffe sollte man auseinanderhalten. Zuckerrohrsaft ist der frisch gepresste Saft, Sirup der eingekochte Saft, Melasse der Rest nach der Zuckergewinnung. Rum aus Saft darf in der EU nur bei den französischen Überseedepartements und auf Madeira „agricole“ heißen; Madeira hat dafür eine eigene Region in dieser Reise. Ron Montero arbeitet dagegen mit Melasse.
Mit dem Ende der Fabrik im Jahr 2006 endete der Rohranbau in der Vega im großen Maßstab. An der Costa Tropical wachsen heute vor allem Avocado, Mango und Cherimoya. Nach Angaben des Hauses baut die Familie Montero weiter eigenes Rohr an und gewinnt daraus die Melasse für ihren Rum.