
Rum im Winter
Grog, Jagertee, Hot Buttered Rum: heiße Getränke mit Rum
Grog ist heißes Wasser mit Rum und Zucker, Jagertee schwarzer Tee mit Inländerrum und Gewürzen, Hot Buttered Rum ein Gewürzdrink mit Butter. Für alle gilt: Der Rum kommt zuletzt in das heiße, aber nicht mehr kochende Getränk, sonst verfliegen Alkohol und Aroma.
Was ist Grog? Vom Schiff in die norddeutsche Stube
Der Name stammt aus der britischen Marine. Admiral Edward Vernon ordnete 1740 an, die tägliche Rumration der Seeleute mit Wasser zu verdünnen. Der Überlieferung nach trug er wegen seines Mantels aus Grogram, einem groben Stoff, den Spitznamen Old Grog, und die verdünnte Ration erbte den Namen. Damals war Grog kalt und vor allem ein Mittel, die Ration zu strecken.
Im Norden Deutschlands wurde daraus ein heißes Wintergetränk: Rum, Zucker und heißes Wasser im Glas mit Henkel. Ein bekannter Spruch aus dem Volksmund fasst das Rezept zusammen: „Rum muss, Zucker kann, Wasser braucht nicht.“ Gemeint ist er als Scherz. Üblich sind etwa 4 cl Rum auf 10 bis 15 cl heißes Wasser und ein bis zwei Teelöffel Zucker, gern brauner Kandis.
Klassisch kam in Norddeutschland oft Rum-Verschnitt ins Glas. Das ist kein Rum, sondern eine Spirituose aus Rum und Neutralalkohol, bei der mindestens fünf Prozent des Alkohols aus Rum stammen müssen. Für einen Grog mit mehr Aroma eignet sich echter Jamaika-Rum besser. Seine fruchtigen Ester überstehen das heiße Wasser und duften aus dem Glas.
Jagertee: Österreichs Hüttengetränk mit Inländerrum
In den österreichischen Alpen heißt das heiße Rumgetränk Jagertee. Die Grundlage ist kräftiger schwarzer Tee, gesüßt und gewürzt mit Zimt, Nelke oder Orangenschale. Dazu kommt Inländerrum, die österreichische Spezialität mit Rumgeschmack. Die Rezepte schwanken von Hütte zu Hütte, manche geben Rotwein oder Obstbrand dazu.
Inländerrum ist rechtlich kein Rum der EU-Kategorie, sondern eine geschützte geografische Angabe für eine sonstige Spirituose. Seit 1999 besteht er ausschließlich aus Rum, der mit Inländerrum-Essenz aromatisiert wird, ohne Fremdalkohol und mit mindestens 38 % vol. Sein Duft nach Vanille, Karamell und Gebäck passt zu Tee und Gewürzen. Früher war Inländerrum ein Kunstrum aus Sprit, Rumessenz und Zuckercouleur.
Hot Buttered Rum: Butter, Gewürz, gereifter Rum
Der Hot Buttered Rum stammt aus Nordamerika und ist der gehaltvollste der drei. Zuerst wird eine Paste gerührt: weiche Butter, brauner Zucker, Zimt, Muskat und Nelke. Ein Löffel davon kommt ins vorgewärmte Glas, dazu gereifter Rum und heißes Wasser. Die Butter schmilzt und legt sich als feiner Film auf den Drink.
Der Trick liegt in der Chemie. Viele Aromastoffe aus Gewürzen und Fass lösen sich besser in Fett als in Wasser. Die Butter trägt deshalb Vanille, Zimt und Karamell weiter und macht den Drink weich. Ein dunkler, gereifter Melasserum passt hier besser als ein leichter weißer, weil er dem Fett genug Kraft entgegensetzt.
Wie heiß darf Rum werden? Temperatur und Wirkung
Alkohol siedet bei etwa 78 Grad, Wasser bei 100. Wer Rum in sprudelnd kochendes Wasser gießt oder den fertigen Grog weiter erhitzt, verliert Alkohol und vor allem die flüchtigen Aromen, die zuerst verdampfen. Besser wird das Wasser erhitzt, kurz abgekühlt und erst dann mit dem Rum gemischt. Serviert wird bei etwa 60 bis 70 Grad, heiß genug für kalte Hände, kühl genug für den Mund.
Das Wärmegefühl täuscht. Alkohol erweitert die Blutgefäße der Haut, deshalb fühlt sich der Körper warm an, gibt aber eher Wärme ab. Gegen Erkältung hilft Grog nicht, auch wenn es oft erzählt wird. Wohltuend ist das warme Getränk, nicht der Alkohol darin.
Bei der Feuerzangenbowle wird hochprozentiger Rum über einem Zuckerhut angezündet, der über heißem Rotweinpunsch liegt. Wie man mit offener Flamme und starkem Rum sicher umgeht, erklärt das nächste Kapitel.