
Rum passend wählen
Welcher Rum für welchen Cocktail?
Für Mojito, Daiquirí und Piña Colada passt ein leichter weißer Rum spanischer Art, für den Cuba Libre ein leichter oder kurz gereifter, für Mai Tai und Planter's Punch ein aromatischer Jamaika-Rum. Entscheidend ist der Stil, also Rohstoff, Brennblase, Reife und Zucker, nicht die Farbe.
Wie wählt man Rum für Cocktails? Stil statt Farbe
Ein Cocktail stellt dem Rum immer eine Aufgabe. Entweder soll er Bühne sein, auf der Limette, Minze oder Frucht auftreten, oder er ist selbst die Hauptfigur. Als Bühne eignet sich leichter Rum aus Säulen, oft mit Aktivkohle gefiltert und arm an Begleitstoffen. Als Hauptfigur taugt schwerer Rum aus Pot Stills mit vielen Estern, den fruchtigen Aromastoffen langer Gärungen.
Dazwischen steht eine dritte Familie: Rum aus frischem Zuckerrohrsaft, auf den französischen Inseln Rhum agricole genannt. Er schmeckt grün, pfeffrig und blumig und verändert jeden Drink deutlich. Die Farbe hilft bei der Auswahl kaum. Ein heller Rum kann gereift und gefiltert, ein dunkler jung und mit Zuckerkulör gefärbt sein.
Wichtig ist auch der Zucker. In der EU darf Rum mit bis zu 20 Gramm je Liter gesüßt werden, und angeben muss das niemand. Jamaika-Rum ist nach seiner geografischen Angabe ungesüßt, ebenso jeder Rum mit dem EU-Begriff „traditionnel“. Wer einen gesüßten Rum verwendet, nimmt im Rezept etwas weniger Sirup.
Welcher Rum für Mojito und Daiquirí?
Beide stammen aus Kuba und sind für leichten Melasserum spanischer Art gedacht, wie er in Kuba, Puerto Rico oder der Dominikanischen Republik gebrannt wird. Ein weißer Rum mit ein bis drei Jahren Reife passt gut: weich genug für die Limette, mit etwas Vanille aus dem Fass. Puerto Rico schreibt für jeden seiner Rums mindestens ein Jahr Reife in Weißeiche vor.
Wer experimentieren will, nimmt für den Daiquirí einen Rhum agricole blanc und bekommt eine grasige, pfeffrige Fassung. Im Mojito wirkt ein schwerer Jamaika-Rum dagegen schnell aufdringlich, weil seine Fruchtester die Minze überdecken. Hier lohnt sich der leichte Stil.
Welcher Rum für Cuba Libre und Piña Colada?
Für den Cuba Libre gilt dasselbe wie für den Mojito, nur darf der Rum etwas kräftiger sein, weil die Cola viel überdeckt. Ein drei- bis fünfjähriger Rum spanischer Art bringt Karamell und Holz in den Drink, ohne die Limette zu erdrücken.
Die Piña Colada kommt aus Puerto Rico, wo sie seit 1978 als Nationalgetränk gilt. Das Caribe Hilton in San Juan nennt das Jahr 1954 und seinen Barkeeper Ramón „Monchito“ Marrero als Ursprung, das Restaurant Barrachina in der Altstadt beansprucht den Drink für 1963. Beides ist Überlieferung. Klassisch kommt ein leichter Rum hinein. Weil Kokoscreme fett und süß ist, geben viele einen Schuss gereiften Rum dazu, damit man den Rum überhaupt noch schmeckt.
Welcher Rum für Mai Tai, Zombie und Punch?
Hier wird der Rum zur Hauptfigur. Der Mai Tai war ursprünglich ein Drink für einen 17 Jahre alten Jamaika-Rum, später mischte Trader Vic Jamaika-Rum mit Rum von Martinique. Gut funktioniert ein gereifter, ungesüßter Jamaika-Rum, allein oder halb und halb mit einem Rhum agricole vieux. Für Planter's Punch ist Jamaika-Rum ebenfalls die erste Wahl, weil seine Ester auch nach viel Verdünnung erkennbar bleiben.
Der Zombie braucht eine Mischung, die Tiefe gibt. Demerara-Rum aus Guyana, teils in alten Holzbrennblasen gebrannt, bringt Melasse, Rauch und dunkle Frucht. Dazu kommen ein leichter Rum und ein Overproof in kleiner Menge.
Gibt es einen Rum für alle Cocktails?
Wer nur eine Flasche kaufen will, liegt mit einem ungesüßten, drei- bis fünfjährigen Verschnitt aus Pot Still und Säule richtig, wie ihn die Brennereien auf Barbados typischerweise herstellen. Er ist leicht genug für den Daiquirí und kräftig genug für Punch und Longdrink. Für Tiki und Ti' Punch reicht er nicht ganz, dafür fehlen ihm Wucht und grüne Rohrnoten.