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Neuengland-Rum, Molasses Act und die amerikanische Revolution

Rum in Nordamerika

Neuengland-Rum, Molasses Act und die amerikanische Revolution

Im 18. Jahrhundert brannte Neuengland Rum aus karibischer Melasse. Als London 1733 mit dem Molasses Act die billige Melasse der französischen Inseln besteuerte und 1764 den Zoll ernsthaft eintreiben wollte, wurde der Rum zu einem der Streitpunkte vor der amerikanischen Revolution.

Warum wurde in Neuengland Rum gebrannt?

In Boston, Newport oder Medford wuchs kein Zuckerrohr. Die Kolonien hatten aber Schiffe, Holz, Fisch und Getreide, die auf den Zuckerinseln gebraucht wurden. Auf der Rückfahrt brachten die Schiffe Melasse mit. In Neuengland wurde sie vergoren und gebrannt, und der Rum ging an Seeleute, Fischer, Tavernen und auf die Sklavenschiffe nach Afrika.

Am billigsten war die Melasse der französischen Inseln. Frankreich schützte seinen Weinbrand und ließ Rum aus den eigenen Kolonien kaum ins Mutterland, darum hatten die Pflanzer auf Martinique, Guadeloupe und Saint-Domingue Melasse übrig. Die Neuengländer kauften sie gern. Nach gängigen Schätzungen gab es um 1770 in den Kolonien mehr als 140 Rumbrennereien, die Angaben schwanken je nach Quelle bis etwa 160.

Rum war in dieser Zeit das Alltagsgetränk der Kolonien. Er wurde in Tavernen ausgeschenkt, als Lohnbestandteil gezahlt und bei Wahlen, Hochzeiten und Begräbnissen gereicht. Geschmacklich war er wohl schlichter als Barbados-Rum, weil er schnell und in großen Mengen entstand.

Was war der Molasses Act von 1733?

Die Pflanzer der britischen Zuckerinseln sahen den Handel mit den Franzosen ungern. Sie setzten in London ein Gesetz durch, das auf Melasse aus fremden Kolonien einen Zoll von sechs Pence pro Gallone legte, gut vier Liter. Das war der Molasses Act von 1733. Er sollte die Neuengländer zwingen, teurere britische Melasse zu kaufen.

In der Praxis wirkte das Gesetz kaum. Der Zoll war so hoch, dass Kaufleute ihn umgingen, durch Schmuggel, falsche Papiere und Bestechung der Zollbeamten. London ließ das über Jahrzehnte weitgehend geschehen. Für die Brennereien blieb die französische Melasse damit billig, und der Rumhandel wuchs weiter.

Hinter dem Gesetz stand ein Interessenkonflikt innerhalb des Empires. Die Zuckerpflanzer der britischen Inseln waren im Parlament gut vertreten und wollten ihre Melasse teurer verkaufen. Die Kaufleute Neuenglands lebten dagegen vom freien Handel mit allen Inseln. An der Frage, wer billige Melasse kaufen darf, zeigte sich früh, dass die Kolonien in London weniger Gewicht hatten als die Zuckerinseln. Diese Erfahrung prägte den späteren Streit.

Sugar Act 1764: Wie Melasse zur Steuerfrage wurde

Nach dem Siebenjährigen Krieg brauchte Großbritannien Geld. Der Sugar Act von 1764 halbierte den Melassezoll auf drei Pence, sollte ihn aber nun tatsächlich eintreiben. Zollbeamte, Kriegsschiffe und Sondergerichte ohne Geschworene setzten das durch. Für die Brennereien wurde aus einer Abgabe auf dem Papier eine echte Last.

Der Widerstand dagegen gehörte zu den frühen Protesten, aus denen der Leitsatz keine Besteuerung ohne Vertretung hervorging. Die Kolonien saßen nicht im Parlament in London, sollten aber dessen Zölle zahlen. 1766 senkte London den Zoll auf einen Penny pro Gallone, nun für jede Melasse, ob britisch oder fremd. Der Streit war da längst mit dem Stempelgesetz von 1765 und weiteren Abgaben verbunden.

War Rum ein Grund für die amerikanische Unabhängigkeit?

John Adams, später zweiter Präsident der USA, schrieb im Rückblick, er wisse nicht, warum man sich schämen solle zuzugeben, dass Melasse eine wesentliche Zutat der amerikanischen Unabhängigkeit gewesen sei. Der Satz wird oft zitiert, er ist aber ein Urteil aus der Erinnerung, kein Befund. Historiker sehen den Streit um Melasse als einen Strang unter vielen, neben Steuern, Handelsrecht und Selbstverwaltung.

Nach der Unabhängigkeit verlor der Rum in Nordamerika an Boden. Der Zugang zur britischen Karibik war erschwert, während Siedler im Westen Getreide im Überfluss hatten. Whiskey aus Roggen und Mais, gebrannt aus heimischem Rohstoff, übernahm nach und nach die Stelle des Rums. Neuengland-Rum verschwand weitgehend, auch weil die Sklavenfahrten, an denen er hing, ab 1808 in den USA verboten waren.

Kurz unterschieden

Neuengland-Rum
Melasserum aus Brennereien in Massachusetts und Rhode Island; Rohstoff aus der Karibik, nicht aus eigenem Rohr.
Molasses Act
Gesetz von 1733: sechs Pence Zoll pro Gallone fremder Melasse, kaum eingetrieben und viel umgangen.
Sugar Act
Gesetz von 1764: Zoll auf drei Pence halbiert, aber streng durchgesetzt; Auslöser früher Proteste.
US-Whiskey
Getreidebrand aus Roggen und Mais, der nach der Unabhängigkeit den Rum als amerikanisches Alltagsgetränk verdrängte.

Dazu im Lexikon

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ZurückRumration, Grog und Black Tot Day: Rum in der Royal NavyWeiterWie entstand der Rhum agricole? Die Zuckerkrise 1884–1896

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