
Rum und Sklaverei
Zucker, Rum und Versklavung: der atlantische Dreieckshandel
Rum war Teil des atlantischen Sklavenhandels. Zuckerrohr wurde auf Plantagen von versklavten Menschen angebaut und verarbeitet, und Rum aus Neuengland und der Karibik wurde an der westafrikanischen Küste gegen Menschen getauscht. Was belegt ist und was das Bild vom Dreieck vereinfacht.
Wer hat den Zucker für den Rum produziert?
Zucker war im 17. und 18. Jahrhundert eines der wertvollsten Handelsgüter der Welt. Auf Barbados und später auf Jamaika, Saint-Domingue, Martinique, Guadeloupe und Kuba entstanden Plantagen, die fast ausschließlich mit versklavten Menschen aus Afrika betrieben wurden. Sie schnitten das Rohr, trieben die Mühlen an, standen an den Siedekesseln und arbeiteten auch in den Brennereien.
Die Arbeit war hart und gefährlich, in der Erntezeit liefen Mühlen und Kessel oft Tag und Nacht. Viele Menschen starben nach wenigen Jahren, die Plantagen ersetzten sie durch neue Verschleppte. Rum war in diesem System kein Nebenschauplatz. Er verwertete die Melasse, die sonst Abfall gewesen wäre, und machte die Plantagen dadurch noch einträglicher. Teils wurde er auch an die Versklavten selbst ausgegeben.
Barbados zeigt, wie schnell sich eine Gesellschaft dadurch veränderte. Als die Insel in den 1640er-Jahren auf Zucker umstellte, ersetzten die Pflanzer weiße Vertragsknechte aus Europa zunehmend durch Menschen, die aus Afrika verschleppt wurden. Innerhalb weniger Jahrzehnte war die Mehrheit der Inselbevölkerung versklavt. Das Modell der Zuckerinsel mit Plantage, Mühle, Siedehaus und Brennerei wurde anschließend auf Jamaika und den französischen Inseln übernommen.
Was war der Dreieckshandel?
Schulbücher beschreiben den Atlantikhandel gern als Dreieck. Schiffe brachten Waren wie Textilien, Metallwaren, Waffen und Branntwein nach Westafrika. Dort wurden Menschen gekauft und über den Atlantik verschleppt, eine Überfahrt, die im Englischen Middle Passage heißt. In Amerika wurden die Überlebenden verkauft, und die Schiffe kehrten mit Zucker, Melasse und Rum zurück.
Wie viele Menschen betroffen waren, hat die Datenbank SlaveVoyages aus Schiffsregistern rekonstruiert. Danach brachten Sklavenschiffe in rund 366 Jahren etwa 12,5 Millionen Menschen von Afrika aufs Meer, und etwa 10,7 Millionen kamen in Amerika an. Rund 1,8 Millionen Menschen starben schon während der Überfahrt.
Das Dreieck selbst ist eine Vereinfachung. Viele Schiffe fuhren nur zwei Strecken hin und her, etwa zwischen Neuengland und der Karibik, und viele Sklavenschiffe kehrten ohne Ladung oder mit Wechseln statt Zucker zurück. Das Modell hilft, die Verflechtung zu verstehen, nicht jede einzelne Fahrt.
Rum als Tauschware: Guinea Rum und die Rum Men
Besonders deutlich zeigt Rhode Island, wofür Rum im Sklavenhandel gebraucht wurde. Händler der kleinen Kolonie in Neuengland rüsteten zwischen 1709 und 1807 mindestens 934 Sklavenfahrten nach Afrika aus und verschleppten nach Schätzungen rund 106 000 Menschen. Ihre wichtigste Tauschware war ein besonders starker Rum aus karibischer Melasse, der als Guinea Rum bekannt war. Die Kapitäne nannte man Rum Men.
Auch in Europa hing Wohlstand am Rum. Flensburg etwa handelte ab 1755 mit Rum und Zucker aus Dänisch-Westindien, dessen Plantagen auf Sklavenarbeit beruhten. Die Stadt hat das in Ausstellungen aufgearbeitet. Mehr dazu im Kapitel über Rum in Mitteleuropa.
Wichtig ist eine Einordnung: Rum war nicht der Grund für den Sklavenhandel, und er war nicht die einzige Tauschware. Textilien, Metall und Waffen machten an vielen Küstenorten den größeren Teil der Ladung aus. Rum verband aber die Glieder der Kette. Er entstand aus der Arbeit Versklavter, er bezahlte neue Verschleppungen, und sein Rohstoff Melasse floss in die Brennereien Neuenglands.
Wann endete die Sklaverei in den Rumländern?
Großbritannien verbot 1807 den Sklavenhandel, die Sklaverei selbst endete in den britischen Kolonien 1834, gefolgt von einer mehrjährigen Zwangslehrzeit. Frankreich und Dänemark schafften sie 1848 ab, Kuba 1886, Brasilien 1888. Danach holten Plantagen in Guyana, Trinidad oder auf Mauritius Vertragsarbeiter aus Indien, die unter harten Bedingungen arbeiteten.
Die Branche geht inzwischen offener mit dieser Geschichte um. Die Marke Plantation heißt seit dem 9. Januar 2024 Planteray, nach einer Debatte über das Wort Plantage, die 2020 begann. Für Leserinnen und Leser heißt das: Hinter vielen alten Brennereien und Markennamen steht eine Geschichte der Versklavung, und sie gehört sachlich erzählt, ohne sie zu verklären.