
Herkunft des Wortes
Rumbullion und Kill-Devil: Woher hat der Rum seinen Namen?
Das Wort Rum ist wahrscheinlich die Kurzform von Rumbullion, einem Wort aus Devonshire für großen Tumult. Belegt ist Rumbullion 1651 auf Barbados, die Kurzform Rum kurz darauf. Bewiesen ist diese Herleitung nicht, die bekannten Alternativen sind aber noch schwächer belegt.
Rumbullion: der älteste Beleg von 1651
Der früheste bekannte Beleg stammt von Giles Silvester, einem Pflanzer auf Barbados. Er schrieb 1651, das wichtigste Getränk zum Betrinken, das man auf der Insel herstelle, sei Rumbullion, auch Kill-Divill genannt. Der Satz verrät viel über den damaligen Stand. Rum war ein Rauschmittel der Insel, kein Genussprodukt, und er hatte gleich zwei volkstümliche Namen.
Rumbullion war im Südwesten Englands, vor allem in Devonshire, ein Wort für einen großen Tumult oder Aufruhr. Viele der frühen Siedler auf Barbados kamen aus dieser Gegend. Die Erklärung liegt also nahe: ein Schnaps, nach dem es laut wird, bekommt den Namen für Krawall. Etymologen halten das für die wahrscheinlichste Herleitung. Ein Dokument, das die Verbindung ausdrücklich zieht, fehlt allerdings.
Kill-Devil: der Teufelstöter aus dem Zuckerkessel
Der zweite Name klingt drastischer und war in den ersten Jahrzehnten ebenso verbreitet. Richard Ligon lebte von 1647 bis 1650 auf Barbados und veröffentlichte 1657 eine Beschreibung der Insel. Darin erwähnt er das Getränk der Insel, gemacht aus dem Schaum der Kupferkessel, in denen der Zucker gekocht wird, und nennt es Kill-Divell. Das ist zugleich eine der ersten Beschreibungen, wie auf Barbados Alkohol aus Zuckerrohr entstand.
Wie scharf dieser frühe Brand gewesen sein muss, zeigt eine Anordnung aus Neuengland. 1654 ließ das Generalgericht der Kolonie Connecticut alle Barbados-Spirituosen beschlagnahmen, die gewöhnlich Rum, Kill-Devil und ähnlich genannt würden. Damit ist das kurze Wort Rum spätestens in diesem Jahr schriftlich belegt. Kill-Devil verschwand im Englischen später, Rum setzte sich durch.
Ob der Name Kill-Devil bedeutete, dass der Brand selbst den Teufel umbringen könne, oder eher seine Trinker, ist offen. Beide Lesarten passen zu dem, was über den frühen Rum bekannt ist. Er wurde frisch vom Kessel getrunken, ungereift, sehr stark und voller Fuselstoffe, also unerwünschter Nebenprodukte der Gärung. Mit dem gereiften Rum von heute hatte er wenig gemein.
Saccharum, Rummer, Römer: Welche Herleitungen unbelegt sind
Im Netz und auf Flaschenrücken kursieren andere Erklärungen. Eine leitet Rum von der letzten Silbe des lateinischen saccharum ab, dem botanischen Namen des Zuckerrohrs. Eine zweite verweist auf das Trinkglas Rummer, das deutsche und niederländische Römerglas. Eine dritte sieht im alten englischen Gaunerwort rum für gut oder prächtig den Ursprung.
Für keine dieser Varianten gibt es einen Beleg, der älter oder näher an Barbados wäre als Rumbullion. Sie sind darum als Vermutungen zu lesen. Wer es genau nimmt, schreibt: Der Name stammt wahrscheinlich aus Rumbullion, sicher ist nur, dass er um 1650 auf Barbados auftaucht.
Warum halten sich die schwachen Erklärungen trotzdem so hartnäckig? Saccharum klingt gelehrt und passt scheinbar zum Rohstoff, das Römerglas liefert ein hübsches Bild für Etiketten und Barkarten. Beides wirkt plausibel, beides wurde aber erst im Nachhinein zum Namen gesucht. Rumbullion hat dagegen den Vorteil, dass es genau dort und genau zu der Zeit auftaucht, in der das Getränk entstand, und dass es den Charakter des frühen Brandes treffend beschreibt.
Rhum, Ron, Tafia: Wie heißt Rum in anderen Sprachen?
Aus dem englischen Rum wurden in den anderen Kolonialsprachen eigene Formen. Die Franzosen schreiben Rhum mit h, die spanischsprachigen Länder sagen Ron. Diese Schreibweisen sind heute mehr als Übersetzungen, denn sie stehen oft für einen Stil. Rhum verbindet man mit den französischen Inseln und dem Saftrum, Ron mit leichten, gereiften Melasserums aus Kuba, Puerto Rico oder Venezuela.
Daneben gab es in den französischen Kolonien das Wort Tafia für einfachen, meist ungereiften Zuckerrohrbrand der Plantagen. In der deutschen Statistik lebt es weiter: Der Bundesverband der Spirituosenindustrie führt seine Marktzahlen bis heute unter Rum, Arrak, Taffia. Auch der Kampfbegriff Demon Rum der amerikanischen Abstinenzbewegung im 19. Jahrhundert zeigt, wie fest der Name inzwischen für Schnaps überhaupt stand.