
Zwei Nachbarn
Demerara Rum und der Streit um Barbados-Rum
Demerara Rum aus Guyana ist im EU-Register als geografische Angabe eingetragen, mit festen Regeln zu Gebiet, Stärke, Körperklassen und höchstens 20 Gramm Zucker je Liter. Barbados-Rum steht dagegen nicht im Register; um eine eigene Herkunftsregel wird dort seit Jahren gestritten.
Was macht einen Rum zu Demerara Rum?
Der Name gehört zu einem schmalen Streifen Küstenland. Laut Spezifikation liegt das Gebiet in der Küstenebene der Grafschaft Demerara, zwischen dem Boeraserie River im Westen und dem Abary Creek im Osten. Als Rohstoff dienen Melasse oder andere Erzeugnisse aus Zuckerrohr. Die Gärung läuft bei etwa 32 Grad und endet bei 6 bis 8 % vol. Abgefüllt wird mit mindestens 40 % vol.
Gereift wird meist in Fässern aus Weißeiche, bei 24 bis 32 Grad und rund 70 Prozent Luftfeuchte. Ein Verschnitt mit Rum aus anderen Ländern ist verboten. Gesüßt werden darf bis 20 Gramm je Liter, genau wie nach EU-Recht. Rums mit den Zusätzen „Cask Aged“, „Special Reserve“ oder „Grand Special Reserve“ müssen in Demerara abgefüllt werden. Im EU-Register steht Demerara Rum mit Schutz seit dem 28. Juni 2018, eingetragen wurde der Name 2021.
Light, medium, heavy: die Körperklassen des Demerara Rum
Ungewöhnlich ist die Einteilung nach Körper. Die Spezifikation misst die Begleitstoffe in Gramm je Hektoliter reinen Alkohols. Als „light“ gilt ein Rum mit weniger als 30 Gramm Begleitstoffen und unter 10 Gramm Estern. „Medium“ liegt zwischen 30 und 300 Gramm, mit 10 bis 50 Gramm Estern. „Heavy“ beginnt bei über 300 Gramm Begleitstoffen und über 50 Gramm Estern.
Die Klassen hängen eng an den Brennblasen. Leichte und mittlere Rums kommen aus Säulenanlagen mit zwei bis fünf Kolonnen, schwere aus einfachen oder doppelten Pot Stills. Die Brennblasen dürfen aus Kupfer, Stahl oder Greenheart bestehen, einem harten Holz aus dem Amazonasgebiet. Jede Brennblase liefert eine eigene „Marque“, also eine eigene Destillat-Sorte. Heute arbeitet in Guyana nur noch die Brennerei Diamond von Demerara Distillers, mit den letzten Holzbrennblasen ihrer Art. Ihre Technik beschreibt die Themenreise „Rum brennen“.
Warum hat Barbados keine geschützte Rum-Herkunft?
Als Rum bekannt wurde der Zuckerrohrbrand im 17. Jahrhundert auf Barbados. Einen eingetragenen Schutz für Barbados-Rum gibt es trotzdem nicht, auch das EU-Register kennt keinen Eintrag. In den Jahren 2019 und 2020 legten Mount Gay, Foursquare und St Nicholas Abbey einen Entwurf für eine geografische Angabe vor. Zusammen halten diese drei Häuser nach Berichten der Fachpresse über 90 Prozent der gereiften Rumbestände der Insel.
Der Entwurf sah vor, dass Rum mit dem Namen Barbados auf der Insel reifen und mit Wasser aus Barbados hergestellt werden muss. Zur Brennblase machte er keine Vorgabe. Widerspruch kam von der West Indies Rum Distillery, die zu Maison Ferrand gehört und die Marke Planteray herstellt. Sie wollte zulassen, dass Barbados-Rum auch im Ausland reift, zum Beispiel in Frankreich. Eine in Kraft getretene geografische Angabe für Barbados-Rum ist nicht belegt; fest steht der jahrelange Streit.
Demerara oder Barbados: Was der Unterschied für Käufer bedeutet
Auf einer Flasche Demerara Rum steht ein überprüfbares Versprechen: Rum aus der Küstenebene Guyanas, ohne fremde Anteile, mit höchstens 20 Gramm Zucker je Liter. Auf einer Flasche mit „Barbados“ steht ein Herkunftsname ohne eingetragene Spezifikation. Er kann völlig korrekt sein, die Regeln dahinter legt aber der Hersteller selbst fest. Wo der Rum gereift ist und ob er gesüßt wurde, verrät dann nur die Herstellerangabe.
Mangels Gesetz haben Brennmeister selbst Ordnung geschaffen. Luca Gargano von Velier und Richard Seale von Foursquare entwickelten eine Klassifikation nach Brennblase: Pure Single Rum, Single Blended Rum, Traditional Rum und Rum. Sie ist privat und keine Rechtsnorm; ihre Einzelheiten erklärt die Themenreise „Rum brennen“. Zwischen den Nachbarn liegen damit drei Modelle. Guyana hat einen EU-Eintrag, Jamaika einen nationalen Schutz, und auf Barbados gelten die Regeln der einzelnen Häuser.