Gustofolio
WissensweltManufakturen
ErfassenSammlungGeschmackGenießenTeilen
Roadmap
WissensweltManufakturenErfassenSammlungGeschmackGenießenTeilenBeta-RoadmapKonto erstellen
AnmeldenKonto erstellen
GetränkelexikonLexikonWissensreiseReisenThemenweltenThemenAlle ArtikelArtikelCocktailrezepteCocktails
  1. Alle Reisen
  2. ›
  3. Rum-Reise
  4. ›
  5. Herkunft & Recht
  6. ›
  7. Kapitel 8 von 9
Rum-Verschnitt, Inländerrum, Domači rum, Tuzemák: Sonderwege in Mitteleuropa

Mitteleuropas Sonderwege

Rum-Verschnitt, Inländerrum, Domači rum, Tuzemák: Sonderwege in Mitteleuropa

Rum-Verschnitt, Inländerrum, Domači rum und Tuzemák sind rechtlich kein Rum. Rum-Verschnitt ist eine deutsche Spirituose mit mindestens 5 % Rumalkohol, Inländerrum und Domači rum sind geschützte Spirituosen mit Rumaroma, Tuzemák entsteht aus Kartoffel- oder Rübenalkohol.

Was ist Rum-Verschnitt rechtlich?

Geregelt ist der Rum-Verschnitt in Anhang II der Verordnung (EU) 2019/787, als eigene Bezeichnung für Deutschland. Hergestellt wird er in Deutschland, indem Rum mit Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs verschnitten wird, also mit neutralem Alkohol. Mindestens 5 % des Alkohols im fertigen Getränk müssen vom Rum stammen. Die Mindeststärke liegt wie beim Rum bei 37,5 % vol.

Damit niemand den Verschnitt für Rum hält, regelt das Gesetz sogar die Schrift. Das Wort „Verschnitt“ muss in derselben Schriftart, Größe und Farbe wie „Rum“ auf derselben Zeile stehen, bei Flaschen auf dem Frontetikett. Die rechtlich vorgeschriebene Bezeichnung lautet „Spirituose“. Wird Rum-Verschnitt außerhalb Deutschlands verkauft, muss die Zusammensetzung des Alkohols angegeben werden. Im Register der geografischen Angaben steht er nicht, denn er ist eine Sonderbezeichnung und kein Herkunftsname. Seine Geschichte führt nach Flensburg und ist Thema der Reise „Geschichte des Rums“.

Inländerrum: Österreichs geschützte Rumspirituose

Im EU-Register steht Inländerrum seit 2008 als geografische Angabe, allerdings in der Kategorie „Sonstige Spirituosen“. Laut technischer Unterlage hat er mindestens 38 % vol, im Handel bis 80 % vol. Er besteht aus Rum, also aus einem Destillat aus Zuckerrohr-Rohstoff, und wird mit Inländerrum-Essenz aromatisiert. Diese Essenz wird ihrerseits aus in Österreich gebranntem Rumdestillat gewonnen. Destillation und Fertigstellung finden ausschließlich in Österreich statt.

Entscheidend ist ein Satz aus der Unterlage: Der gesamte Alkohol des Fertigerzeugnisses ist ausschließlich Rum. Fremdalkohol aus Rüben oder Kartoffeln ist also nicht erlaubt. Viele Händlertexte behaupten das Gegenteil, sie beschreiben aber den früheren „Kunstrum“ aus verdünntem Sprit, Rumessenz und Zuckercouleur. Die heutige Regel gilt seit Ablauf der Übergangsfrist nach dem EU-Beitritt am 31. Dezember 1998. Rum im Sinn der Kategorie 1 ist Inländerrum trotzdem nicht, weil er aromatisiert wird. Bekannteste Marke ist Stroh aus Klagenfurt, der Stroh 80 hat 80 % vol.

Domači rum: Sloweniens Haus-Rum

Auch Slowenien hat seinen Sonderweg schützen lassen. Domači rum, übersetzt etwa „Haus-Rum“, ist seit 2008 als geografische Angabe der Kategorie „Sonstige Spirituosen“ eingetragen. Er entsteht aus einem Destillat von Melasse oder Zuckerrohrsaft, das mit Rumaromen und Farbe versetzt wird. Die Stärke liegt bei mindestens 37,5 % vol und reicht bis 80 % vol. Die Unterlage beschreibt seinen Geruch als „nach Punsch mit Vanille“.

Verwendet wird Domači rum vor allem im Backwerk, etwa in Potica und Krapfen. Wie Inländerrum entstand er in Österreich-Ungarn, einem Reich ohne eigene Zuckerrohrkolonien. Wegen der zugesetzten Aromen ist auch er rechtlich kein Rum.

Tuzemák: Warum er seit 2003 nicht mehr Rum heißt

Bis zum 31. Dezember 2002 hieß das tschechische Getränk „Tuzemský rum“, inländischer Rum. Seit dem 1. Januar 2003 darf es wegen des EU-Rechts nicht mehr Rum heißen und wird als „Tuzemák“ oder „Tuzemský“ verkauft. Der Grund liegt im Rohstoff: Tuzemák wird aus Kartoffel- oder Rübenalkohol mit Rumessenz hergestellt. Zuckerrohr fehlt also ganz, und eine geografische Angabe ist er auch nicht.

Marktzahlen zeigen, wie leicht die Grenze verschwimmt. Die Marke Božkov wird in Ranglisten der meistverkauften Rummarken mit 1,4 Millionen Kisten geführt, ist rechtlich aber kein Rum. Ähnlich steht es um Ronmiel de Canarias, eine geschützte Rum-Honig-Spirituose der Kanaren. Für das Etikett gilt in allen diesen Fällen dieselbe Regel: Entscheidend ist die Verkehrsbezeichnung, nicht der Klang des Namens.

Kurz unterschieden

Rum-Verschnitt
Deutsche Spirituose: Rum mit Neutralalkohol, mindestens 5 % des Alkohols aus Rum, „Verschnitt“ so groß wie „Rum“.
Inländerrum
Österreichische geografische Angabe: aromatisierter Rum, nur Rumalkohol, mindestens 38 % vol, rechtlich kein Rum.
Domači rum
Slowenische geografische Angabe: Melasse- oder Saftdestillat mit Rumaroma und Farbe, vor allem zum Backen.
Tuzemák
Tschechische Spirituose aus Kartoffel- oder Rübenalkohol mit Rumessenz; seit 2003 ohne das Wort Rum.

Dazu im Lexikon

Was ist Rum? Die GrundlagenOverproof: Stroh 80 und andere starke RumsSpiced Rum: Spirituose statt Rum
ZurückDemerara Rum und der Streit um Barbados-RumWeiterRum-Etikett lesen: Pflichtangaben, Herkunft, Werbewörter

Bilder mit KI erstellt · Texte KI-gestützt, redaktionell geprüft