
Etikett für Kenner
Jahrgang, Single Cask, Fassstärke: Rum-Begriffe für Sammler
Ein Jahrgangsrum stammt aus einem einzigen Destillationsjahr, ein Single Cask aus einem einzigen Fass, und Fassstärke heißt, dass der Rum ohne Wasser abgefüllt wurde. Genau geregelt ist davon fast nur der Jahrgang, und auch er nur bei einzelnen Herkünften wie Martinique und Madeira.
Was bedeutet ein Jahrgang auf der Rumflasche?
Anders als beim Wein meint der Jahrgang beim Rum nicht die Ernte, sondern meist das Jahr der Destillation. Oft steht daneben das Jahr der Abfüllung. Aus beiden Zahlen ergibt sich die Zeit im Fass. Eine Flasche mit 2006 und 2017 auf dem Etikett enthält Rum, der rund elf Jahre reifte.
Am strengsten ist die AOC Martinique. Ein Jahrgang, dort millésime genannt, ist nur für Rhum vieux mit mindestens sechs Jahren in Eichenfässern unter 650 Litern erlaubt. Für Rum da Madeira darf ein Jahrgang nur dann aufs Etikett, wenn der Rum vollständig aus diesem Jahr stammt.
Ein Jahrgang macht eine Flasche nicht automatisch besser. Er macht sie aber nachvollziehbar. Wer zwei Jahrgänge derselben Brennerei vergleicht, schmeckt, wie Wetter, Rohstoff und Fässer jedes Jahr ein wenig anders ausfallen.
Single Cask und Small Batch: Was steckt dahinter?
Single Cask heißt, dass der Inhalt einer Abfüllung aus genau einem Fass stammt. Oft nennt das Etikett die Fassnummer und die Zahl der Flaschen. Weil jedes Fass anders reift, schmeckt jede dieser Abfüllungen eigen. Ist das Fass leer, ist auch der Rum vorbei.
Small Batch bedeutet kleine Partie und meint einen Verschnitt aus wenigen Fässern. Beide Begriffe sind Handelsbegriffe ohne einheitliche Norm. Wie klein eine kleine Partie ist, legt der Abfüller selbst fest. Vertrauen schafft nur ein Etikett, das konkrete Angaben macht.
Viele Single Casks stammen von unabhängigen Abfüllern. Sie kaufen Fässer bei Brennereien und füllen sie unter eigenem Namen ab. Bei Sammlern beliebt sind dabei Herkunft, Brennerei, Brennblase und die Frage, wo das Fass lag. Velier brachte etwa zusammen mit dem niederländischen Abfüller Scheer Vergleichssets heraus, mit tropisch und kontinental gereiftem Rum derselben Herkunft.
Fassstärke: Warum mancher Rum über 60 Prozent hat
Die meisten Rums kommen nach der Reifung mit Wasser auf Trinkstärke, oft auf 40 Prozent. Fassstärke, englisch Cask Strength oder Full Proof, bedeutet: kein Wasser. Der Alkoholgehalt ist der, den das Fass am Ende hatte. Das können 50 Prozent sein, aber auch über 65 Prozent.
Auch Fassstärke ist ein Handelsbegriff. Das Recht schreibt nur vor, dass der angegebene Alkoholgehalt stimmt. Der Reiz liegt im vollen Aroma, denn Wasser verändert den Geschmack. Wer solche Rums verkostet, gibt am besten im Glas selbst ein paar Tropfen Wasser hinzu und tastet sich heran.
Der Wert auf dem Etikett erzählt dabei etwas über das Lager. Ein tropisch gereiftes Fass in einem feuchten Küstenlager verliert über die Jahre eher Alkohol, ein Fass auf einem heißen, trockenen Dachboden kann stärker werden. Zwei Single Casks desselben Jahrgangs liegen darum oft mehrere Prozentpunkte auseinander. Mit Overproof ist Fassstärke nicht gleichzusetzen. Overproof meint einen sehr starken Rum, der auch ungereift und gezielt hochprozentig abgefüllt sein kann.
Worauf Sammler beim Rum-Etikett achten
Ein gutes Sammleretikett verrät viel. Dazu gehören Brennerei und Land, Destillations- und Abfüllungsjahr, Fassart und Fassnummer, die Brennblase und der Ort der Reifung. Manche nennen auch, ob der Rum ungesüßt und ungefärbt ist. Je mehr davon steht, desto besser lässt sich eine Flasche einordnen.
Ein Beispiel für begehrte Altbestände ist Caroni aus Trinidad. Die Brennerei wurde 2002 stillgelegt, jede heutige Abfüllung stammt aus alten Fässern. Solche Geschichten machen Flaschen gefragt. Ob sie auch schmecken, entscheidet allein das Glas. Wertsteigerungen sind nie gesichert.
Wer Flaschen aufheben will, lagert sie aufrecht, kühl und dunkel. Anders als im Fass reift Rum in der Flasche nicht weiter. Ein Jahrgang 2010, abgefüllt 2020, bleibt ein zehnjähriger Rum, auch wenn er noch zwanzig Jahre im Schrank steht.