
Das Fassreihen-System
Was bedeutet Solera auf der Rumflasche?
Solera bezeichnet auf einer Rumflasche ein Verschnittsystem aus Fassreihen, bei dem älterer Rum laufend mit jüngerem aufgefüllt wird. Die Zahl daneben nennt meist den ältesten Anteil, nicht den Durchschnitt und erst recht nicht das Mindestalter. Eine Altersangabe im Sinne des EU-Rechts ist sie nicht.
Wie funktioniert das Solera-Verfahren?
Das Verfahren stammt aus dem Sherry in Andalusien. Man stelle sich mehrere Reihen von Fässern vor, traditionell übereinander gestapelt. Die unterste Reihe heißt Solera, nach dem spanischen Wort für Boden. Die Reihen darüber heißen Criaderas, Kinderstuben. Ganz oben liegt der jüngste Brand, unten der älteste.
Abgefüllt wird immer nur aus der untersten Reihe, und nie ganz. Man zieht einen Teil ab, etwa ein Viertel oder ein Drittel. Die entstandene Lücke füllt man aus der Reihe darüber auf, diese wiederum aus der nächsten. Oben kommt frischer Rum hinein. So wandert jeder Tropfen über die Jahre langsam nach unten.
Der Vorteil liegt in der Gleichmäßigkeit. Weil in jedem Fass immer ein Rest älteren Rums bleibt, schmeckt die Abfüllung Jahr für Jahr sehr ähnlich. Der jüngere Rum lernt gewissermaßen vom älteren. Für Marken, die einen festen Hausstil wollen, ist das bequem.
Wie alt ist ein Solera-Rum wirklich?
Genau sagen lässt sich das kaum, und darin liegt das Problem. Eine Solera, die vor zwanzig Jahren angelegt wurde, enthält theoretisch noch Spuren aus dem ersten Jahr. Mit jeder Entnahme und Auffüllung wird dieser älteste Anteil aber verdünnt. Nach vielen Runden ist er nur noch ein winziger Bruchteil.
Das bekannteste Beispiel ist Zacapa aus Guatemala. Die Flasche trug lange die Zahl 23, viele lasen das als 23 Jahre. Tatsächlich ist der Rum eine Mischung aus Rums von etwa sechs bis 23 Jahren. Die Marke änderte das Etikett später zu Sistema Solera 23. Die 23 beschreibt also das Alter des ältesten Rums im System.
Das Durchschnittsalter liegt bei solchen Rums deutlich unter der Zahl auf der Flasche. Wie weit darunter, verraten die Hersteller meist nicht. Ein Solera-Rum kann trotzdem gut schmecken. Nur sollte man ihn nicht mit einem Rum vergleichen, auf dem eine echte Mindestaltersangabe steht.
Solera-Zahl und EU-Recht: warum das kein Alter ist
Die EU-Spirituosenverordnung 2019/787 erlaubt eine Altersangabe nur, wenn sie sich auf den jüngsten alkoholischen Bestandteil bezieht. Ein Solera-Rum mit einer großen Zahl erfüllt das nicht, denn sein jüngster Anteil ist viel jünger. Solera-Zahlen sind also keine Altersangaben im Sinne des EU-Rechts.
In der EU darf eine solche Zahl darum nicht so dastehen, dass sie als Alter missverstanden wird. Darum liest man heute Formulierungen wie Sistema Solera, Solera-Zahl oder Gran Reserva statt Jahren. Wer eine Flasche aus einem anderen Markt mitbringt, findet dort manchmal noch Angaben, die wie ein Alter aussehen.
Ähnlich zu lesen sind Jahreszahlen auf manchen Flaschen. Sie nennen oft das Gründungsjahr der Firma, ein Jubiläum oder das Jahr, in dem die Solera angelegt wurde. Ein Alter ist das nicht. Hilfreich ist ein Blick, ob neben der Zahl das Wort Jahre oder Años steht und ob sich die Angabe auf den jüngsten Rum bezieht.
Woran man einen Solera-Rum erkennt
Solera-Rums kommen vor allem aus Lateinamerika und dem spanischsprachigen Raum, wo man die Technik aus dem Sherry kannte. Sie sind meist im leichten spanischen Stil gebrannt, also aus der Säule, und mild im Charakter. Das Wort Solera steht fast immer gut sichtbar auf dem Etikett.
Viele dieser Rums sind zudem gesüßt, was die EU bis 20 Gramm je Liter erlaubt. Für Zacapa nennen Laboranalysen des finnischen Monopols Alko Werte um 19 bis 25 Gramm. Die Einzelwerte schwanken je Charge. Wer einen trockeneren Stil sucht, findet ihn eher bei Rums mit klarer Altersangabe aus der englischen oder französischen Tradition.