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Overproof, Navy Strength, Fassstärke: Wie stark ist Rum?

Proof und Prozent

Overproof, Navy Strength, Fassstärke: Wie stark ist Rum?

Rum hat in der EU mindestens 37,5 % vol, die meisten Flaschen liegen um 40 %. Overproof, Navy Strength und Fassstärke bezeichnen stärkere Abfüllungen: Navy Strength meint meist rund 57 %, Overproof reicht bis über 80 %. Gesetzlich festgelegt ist keiner dieser Begriffe.

Was bedeutet Proof beim Rum?

Auf manchen Flaschen steht neben der Prozentzahl eine zweite Angabe: Proof. Der Überlieferung nach prüften britische Seeleute ihren Rum, indem sie ihn auf Schießpulver gossen. Zündete das Pulver noch, galt der Rum als bewiesen, auf Englisch proved. Die Geschichte ist Folklore, das Maß dahinter real. 100 britische Grad Proof entsprechen 57,15 % vol, also dem Punkt, an dem nach alter Rechnung voller Proof erreicht war.

In den USA gilt eine einfachere Rechnung: Proof ist dort genau das Doppelte der Volumenprozent. 80 proof sind 40 % vol, 151 proof sind 75,5 % vol. Britische und amerikanische Zahlen lassen sich also nicht direkt vergleichen. In der EU zählt rechtlich nur die Angabe in Prozent vom Volumen, kurz % vol. Bei einer Flasche mit Proof-Angabe lohnt es sich, zuerst nachzurechnen, aus welchem Land die Zahl stammt.

Navy Strength: Warum gerade 57 Prozent?

Auf Rums und Gins mit rund 57 % vol steht oft Navy Strength. Die Zahl lehnt sich an den britischen Proof an, bei dem 100 Grad 57,15 % entsprechen. Gesetzlich festgelegt ist sie nicht, es handelt sich um eine Branchenkonvention. Der Name erinnert an die Rumration der Royal Navy, die am 31. Juli 1970 zum letzten Mal ausgegeben wurde, damals mit 54,6 % vol, also etwas schwächer als der heutige Werbebegriff.

Auch Navy Rum ist kein geschützter Stil. Gemeint ist meist ein kräftiger, dunkler Verschnitt aus mehreren westindischen Rums, oft mit einem Anteil aus Guyana. Pusser's erhielt 1979 von der Admiralität das Recht am Namen und die Angaben zur früheren Mischung und verkauft seit 1980 an die Öffentlichkeit. Viele andere Marken nutzen den Begriff frei. Wie die Ration entstand und warum sie endete, erzählt das Thema Geschichte des Rums.

Overproof-Rum: Wie stark wird es?

Über dem britischen Proof, also oberhalb von 57,15 % vol, beginnt nach wörtlichem Verständnis der Overproof-Bereich. Im Handel wird das Wort lockerer verwendet, manche Flaschen mit 60 % tragen es, andere mit deutlich mehr. Bekannte Beispiele sind Wray & Nephew White Overproof aus Jamaika mit 63 % vol nach Herstellerangabe und Sunset Very Strong aus St. Vincent mit 84,5 % vol. Stroh 80 aus Österreich hat 80 % vol, ist aber Inländerrum und kein Rum.

So starke Brände sind vor allem Werkzeuge. In Tiki-Drinks geben kleine Mengen Aroma und Wärme, in Österreich gehört Stroh in Teig und Punsch. Pur getrunken werden sie selten, denn bei dieser Stärke betäubt der Alkohol die Zunge, bevor das Aroma ankommt. Wichtig ist der vorsichtige Umgang. Je stärker ein Rum, desto leichter entzündet er sich, und flambierte Drinks oder Desserts verlangen Abstand zu offenem Feuer und eine ruhige Hand.

Fassstärke: Rum so stark, wie er aus dem Fass kommt

Manche Abfüllungen kommen ohne Wasserzugabe in die Flasche. Fassstärke heißt das dann, englisch Cask Strength. Wie stark ein solcher Rum ist, hängt von der Füllstärke beim Einlagern, vom Klima und von der Zeit ab. In tropischen Lagern verdunstet oft um die acht Prozent im Jahr, und dabei verschiebt sich auch das Verhältnis von Alkohol und Wasser. Fassstarke Rums haben deshalb keine einheitliche Stärke, jedes Fass bringt seine eigene Zahl mit.

Für Kenner hat Fassstärke einen Vorteil: Man bestimmt selbst, wie viel Wasser hineinkommt. Schon wenige Tropfen verändern das Aroma, weil sich Duftstoffe im verdünnten Rum anders verteilen. Für Einsteiger ist ein so starker Rum pur dagegen oft zu scharf. Ein Glas Wasser daneben hilft, ebenso eine kleine Menge im Glas. Mehr Alkohol bedeutet nicht mehr Qualität, sondern mehr Konzentration, im Guten wie im Schlechten.

Kurz unterschieden

Navy Strength
Rund 57 % vol, angelehnt an 100 britische Grad Proof; Branchenkonvention, kein Rechtsbegriff.
Overproof
Stärker als 57,15 % vol nach britischer Rechnung, im Handel locker verwendet; Beispiele reichen bis 84,5 %.
Fassstärke
Ohne Wasserzugabe abgefüllt; die Stärke hängt von Fass, Klima und Reifezeit ab.
US-Proof
Doppelte Prozentzahl: 80 proof sind 40 % vol, 151 proof sind 75,5 % vol.

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