
Der Weg hinein
Erste Schritte: Welche Rums probiert man zuerst?
Für den Einstieg probiert man am besten zuerst einen ausgewogenen, gereiften Rum aus Melasse, etwa aus Barbados, dann einen Rhum Agricole aus Saft und danach einen Jamaika-Rum. Im direkten Vergleich lernt man schneller als mit einer einzigen Flasche, was Rohstoff, Brennblase und Fass ausmachen.
Warum man Rum am besten im Vergleich kennenlernt
Ein einzelner Rum sagt wenig. Man findet ihn gut oder weniger gut, aber man weiß nicht, warum. Erst neben einem zweiten wird klar, was ihn ausmacht. Darum lohnt es sich, von Anfang an mit zwei oder drei kleinen Mengen zu arbeiten statt mit einer großen Flasche. Probierfläschchen oder ein Abend in einer Bar mit guter Auswahl sind dafür ideal.
Der rote Faden für die ersten Wochen sind die drei großen Unterschiede im Rum: Melasse oder Saft, Pot Still oder Säule, kurze oder lange Reife. Wer diese drei Achsen einmal geschmeckt hat, kann fast jeden Rum grob einordnen. Die Station über Stile zeigt, woran man sie erkennt.
Der erste Rum: ausgewogen, gereift, ungesüßt
Ein guter Startpunkt ist ein gereifter Rum aus Barbados mit 40 bis 43 Prozent. Die Brennereien dort verschneiden Pot-Still- und Säulendestillat, das Ergebnis zeigt Vanille und Kokos aus dem Fass, milde Banane, etwas Gewürz. Er ist weder extrem noch langweilig und dient später als Bezugspunkt.
Viele Einsteiger landen zuerst bei stark gesüßten Rums, weil sie weich und gefällig schmecken. Das ist kein Verbrechen, aber ein Umweg. Zucker überdeckt das Destillat, und wer sich an ihn gewöhnt, empfindet ungesüßte Rums zunächst als scharf. Es lohnt sich, früh einen ungesüßten Rum daneben zu stellen.
Der zweite Schritt: Rhum Agricole gegen Melasserum
Als Nächstes kommt der größte Kontrast: ein Rhum Agricole aus frischem Zuckerrohrsaft. Am besten nimmt man zwei, einen blanc und einen gereiften vieux von Martinique. Der blanc riecht nach Gras, Pfeffer und Zuckerrohr. Der vieux zeigt, wie das Fass diese Grundnoten verändert, ohne sie zu verdecken.
Neben dem Barbados-Rum wird jetzt deutlich, was der Rohstoff ausmacht. Melasserum ist rund und karamellig, Saftrum grün und trocken. Wer Agricole pur zu streng findet, kann ihn so probieren, wie man ihn auf den Antillen trinkt: im Ti’ Punch mit Limette und etwas Rohrzucker.
Der dritte Schritt: Jamaika und Demerara
Danach folgen die schweren Melasse-Stile. Ein Jamaika-Rum aus der Pot Still zeigt, was lange Gärung und Ester bewirken: Banane, Ananas, Klebstoff, alles kräftig und trocken. Ein Demerara-Rum aus Guyana bringt dunkle Noten nach Lakritz, braunem Zucker und Holz. Beide sind am Anfang ungewohnt, gehören aber zu den aromareichsten Rums überhaupt.
Für den Einstieg reichen moderate Esterklassen und Abfüllungen um 40 bis 46 Prozent. Die extremen Hochester-Marken und Fassstärken laufen nicht weg.
Ein guter Rhythmus sind ein bis zwei neue Rums pro Woche, jeweils mit einem bekannten daneben. So bleibt der Vergleich frisch, und die Notizen wachsen langsam zu einer eigenen Landkarte. Wer nach einigen Wochen zurückblättert, sieht oft schon eine Richtung: Manche landen bei den grünen Saftrums, andere bei den fruchtigen Jamaikanern oder den dunklen Guyana-Rums. Diese Vorliebe ist der beste Kompass für den nächsten Kauf, besser als jede Rangliste.
Was man am Anfang auslassen kann
Overproof-Rums mit 60 Prozent und mehr sind für Mischgetränke gedacht und überfordern pur jeden ungeübten Gaumen. Spiced Rum und aromatisierte Spirituosen auf Rumbasis lehren wenig über Rum, weil Gewürze und Aromen das Destillat überdecken. Und sehr alte, teure Flaschen entfalten ihren Wert erst, wenn man jüngere Rums kennt.
Wer diese drei Schritte gegangen ist, hat ein Gerüst. Ob ein Rum dann Melasse- oder Saftrum ist, aus Pot Still oder Säule kommt, schmeckt man mit etwas Übung heraus. Geöffnete Flaschen halten sich aufrecht und dunkel gelagert lange, Details dazu stehen im Lexikonartikel über das Lagern von Rum.