
Das Etikett lesen
Guten Rum erkennen und kaufen: worauf achten?
Guten Rum erkennt man vor dem Kauf am Etikett: an der Bezeichnung „Rum“ statt „Spirituose“, an einer genannten Brennerei, an einer echten Altersangabe des jüngsten Anteils und an einer Herkunft mit festen Regeln. Farbe, Flaschenform und Solera-Zahl sagen dagegen wenig über die Qualität.
Rum oder Spirituose: die Verkehrsbezeichnung prüfen
Der erste Blick gilt der Verkehrsbezeichnung, also dem rechtlichen Namen des Getränks, meist klein auf dem Etikett. Steht dort „Rum“, gelten die EU-Regeln: nur aus Zuckerrohr, unter 96 Prozent gebrannt, mindestens 37,5 Prozent Alkohol, kein zugesetzter Alkohol, keine Aromen, höchstens 20 Gramm Zucker je Liter.
Steht dort „Spirituose“ oder „Likör“, handelt es sich um etwas anderes. Spiced Rum ist rechtlich eine Spirituose auf Rumbasis, weil Rum nicht aromatisiert werden darf. Rum-Verschnitt ist eine deutsche Spirituose, bei der mindestens fünf Prozent des Alkohols aus Rum stammen und der Rest Neutralalkohol ist. Inländerrum aus Österreich ist eine eigene geschützte Spirituose mit Aromazusatz. Keines davon ist schlecht, aber keines ist Rum im Rechtssinn.
Altersangabe oder Solera-Zahl: was die Ziffer bedeutet
Eine Altersangabe ist in der EU nur zulässig, wenn sie sich auf den jüngsten Rum in der Flasche bezieht. „8 Jahre“ heißt also: Kein Tropfen ist jünger als acht Jahre. Das ist eine verlässliche Information.
Anders die Zahl auf vielen Solera-Rums. Sie nennt oft den ältesten Anteil einer Mischung. Ron Zacapa ist das bekannteste Beispiel: Die Mischung umfasst Rums von etwa sechs bis 23 Jahren, das Etikett lautet heute „Sistema Solera 23“. Solera-Zahlen sind keine Altersangaben im Sinne des EU-Rechts. Begriffe wie Añejo, Reserva oder Gran Reserva haben außerhalb einzelner Landesregeln keine einheitliche Bedeutung.
Herkunft, Brennerei, Abfüllstärke: was für Qualität spricht
Eine geschützte Herkunft bringt feste Regeln mit. Die AOC Rhum de la Martinique schreibt frischen Saft, eine bestimmte Säule und für „vieux“ mindestens drei Jahre in kleinen Fässern vor. Die Jamaika-Herkunftsregel erlaubt nach dem Brennen nur Wasser und Kulör. Demerara-Rum aus Guyana darf nicht mit fremdem Rum verschnitten werden. Solche Regeln garantieren keinen Geschmack, aber Transparenz.
Gute Etiketten nennen die Brennerei, oft auch die Brennblase, das Fass und das Destillationsjahr. Einige Abfüller nutzen die private Einteilung von Luca Gargano und Richard Seale, die Rums nach Brennverfahren ordnet, etwa „Pure Single Rum“ für reinen Pot-Still-Rum einer Brennerei. Eine Abfüllstärke über 40 Prozent ist kein Muss, zeigt aber oft, dass weniger verdünnt und mehr Aroma bewahrt wurde.
Neben den großen Marken gibt es unabhängige Abfüller. Sie kaufen Fässer von Brennereien und füllen sie oft unverdünnt, ungefärbt und ungesüßt ab, mit genauen Angaben zu Brennerei, Jahrgang und Fass. Für Neugierige sind sie eine gute Quelle, weil das Etikett viel erzählt. Teuer und alt heißt dabei nicht automatisch besser: Auch ein junger, gut gemachter Rum kann mehr Charakter zeigen als ein zwanzigjähriger, der vor allem nach Holz schmeckt.
Was das Etikett verschweigt: Zucker und Farbstoff
Der Zuckergehalt muss bei Spirituosen in der EU nicht angegeben werden. Manche Hersteller schreiben freiwillig „ohne Zuckerzusatz“, das ist dann eine Herstellerangabe. Unabhängige Laboranalysen, wie sie das finnische Monopol Alko veröffentlicht, zeigen, dass manche bekannte Rums nahe an der 20-Gramm-Grenze liegen.
Für Farbstoff ist das anders. In Deutschland muss „mit Farbstoff“ draufstehen, wenn Zuckerkulör verwendet wurde. Das ist kein Makel, viele Brennereien gleichen damit Farbschwankungen zwischen Chargen aus. Fehlt der Hinweis auf einer in Deutschland verkauften Flasche, stammt die Farbe nach dieser Regel aus Fass und Zeit.
Rum kaufen: probieren vor dem Flaschenkauf
Die beste Kaufhilfe bleibt der eigene Gaumen. Viele Fachhändler bieten Probierfläschchen an, und in einer gut sortierten Bar lässt sich ein Rum glasweise testen, bevor man eine ganze Flasche kauft. Eine Rangliste des besten Rums gibt es nicht, weil ein trockener Agricole und ein weicher Rum kubanischer Art ganz verschiedene Erwartungen erfüllen. Gut ist der Rum, dessen Etikett ehrlich ist und dessen Geschmack zu dir passt.