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Warum steht der Zucker nicht auf dem Rum-Etikett?

Pflicht und Lücke

Warum steht der Zucker nicht auf dem Rum-Etikett?

Der Zuckergehalt fehlt auf dem Etikett, weil Getränke mit mehr als 1,2 % vol in der EU von Zutatenliste und Nährwerttabelle befreit sind (VO (EU) Nr. 1169/2011, Art. 16 Abs. 4). Ein Rum darf also bis 20 Gramm Zucker je Liter enthalten, ohne es anzugeben.

Die Ausnahme für alkoholische Getränke: Art. 16 Abs. 4

Die Lebensmittelinformationsverordnung (EU) Nr. 1169/2011 regelt, was auf verpackten Lebensmitteln stehen muss. Joghurt, Limonade und Brot tragen ein Zutatenverzeichnis und eine Nährwerttabelle mit Zucker, Fett und Brennwert. Artikel 16 Absatz 4 nimmt Getränke mit mehr als 1,2 % vol von beidem aus. Für Rum, Whisky, Gin und alle anderen Spirituosen gilt diese Pflicht also nicht.

Für den Rumkäufer zählt die Folge. Zucker, Kalorien und Zutaten muss kein Hersteller nennen. Auch die Süßung im Rahmen der 20-Gramm-Grenze bleibt deshalb unsichtbar. Ein ungesüßter Agricole und ein Rum an der Grenze sehen auf dem Rückenetikett gleich aus, solange niemand freiwillig mehr verrät. Genau an dieser Stelle setzt die Debatte um Transparenz an, die Station 8 beschreibt.

Die Verordnung sah selbst vor, dass die EU-Kommission diese Ausnahme überprüft. Eine Pflicht, Zutaten oder Nährwerte von Spirituosen anzugeben, gibt es bis heute nicht. Ein Teil der Branche setzt stattdessen auf freiwillige Angaben, etwa über Codes auf dem Etikett, die zu einer Internetseite führen. Für den Zucker im Rum ändert das wenig. Ob eine Zahl erscheint, bleibt allein Sache des Herstellers.

Was trotzdem auf jeder Rumflasche stehen muss

Ganz leer bleibt das Etikett nicht. Pflicht sind unter anderem die Verkehrsbezeichnung, also „Rum“, „Spirituose“ oder „Likör“, der Alkoholgehalt in Prozent vol, die Füllmenge und der Name des verantwortlichen Lebensmittelunternehmers. Stoffe, die Allergien auslösen können, müssen auch ohne Zutatenliste genannt werden. In Deutschland kommt bei Farbstoffen wie Zuckerkulör der Hinweis „mit Farbstoff“ hinzu, wie Station 5 erklärt.

Die Verkehrsbezeichnung ist dabei der wichtigste Hinweis auf Zucker. Steht dort „Rum“, ist der Gehalt auf 20 Gramm je Liter begrenzt. Steht dort „Spirituose“ oder „Likör“, fehlt diese Grenze. Zusätze wie „traditionnel“, „agricole“ oder „dry“ schließen Zucker ganz aus. Wer das Etikett so liest, erfährt mehr über die Süße, als die fehlende Nährwerttabelle vermuten lässt.

Freiwillige Angaben: Nährwerte und Herstellerversprechen

Hersteller dürfen freiwillig mehr sagen. Manche drucken Nährwerte oder den Brennwert auf die Flasche, andere verweisen über einen QR-Code auf eine Internetseite mit Zutaten und Nährwerten. Ein Teil der Rumhersteller wirbt ausdrücklich mit Formulierungen wie „no added sugar“ oder „ohne Zusätze“. Das sind Herstellerangaben und keine gesetzlichen Kategorien. Sie können stimmen, lassen sich vom Käufer aber nicht selbst überprüfen.

Unabhängige Zahlen liefern vor allem die Analysen staatlicher Monopole in Nordeuropa, die Station 4 beschreibt. Sie gelten für die geprüfte Charge und nicht für alle Zeit. Wer Wert auf ungesüßten Rum legt, kommt mit Regeln sicherer ans Ziel als mit Werbung. Herkunftsangaben mit Süßungsverbot und Zusatzbegriffe wie „traditionnel“ oder „dry“ sind dagegen rechtlich bindend.

Zucker, Kulör, Alter: Was das Rum-Etikett verschweigt

Neben dem Zucker fehlen weitere Angaben, die Käufer oft vermuten. Die Menge an Kulör nennt kein Etikett, in Deutschland steht nur, dass gefärbt wurde. Auch die Brennblase muss niemand angeben, ebenso wenig die Dauer der Gärung. Altersangaben sind dagegen streng geregelt. Eine Zahl, die als Alter gelesen wird, muss sich in der EU auf den jüngsten Anteil beziehen, und die Reifung muss unter Steuerkontrolle stattgefunden haben.

Gerade hier entstehen Missverständnisse. Eine Solera-Zahl wie die 23 bei Zacapa nennt den ältesten Anteil einer Mischung und ist keine Altersangabe im Sinne des EU-Rechts. Zucker und Kulör können einen jüngeren Rum zusätzlich runder und dunkler wirken lassen. Das ist legal, solange die Grenzen eingehalten werden. Wer es genau wissen will, liest das Etikett als Ganzes. Bezeichnung, Zusatzbegriffe, Herkunft und Altersangabe ergeben zusammen ein klareres Bild als jede Einzelangabe.

Kurz unterschieden

Rum
Die Bezeichnung begrenzt den Zucker auf 20 g je Liter, ohne dass die Menge angegeben werden muss.
Spirituose
Keine Zuckergrenze für Rum; typisch für Spiced Rum und aromatisierte Abfüllungen.
„mit Farbstoff“
Deutscher Pflichthinweis bei Kulör; verrät die Färbung, nicht die Menge und nichts über Zucker.
Solera-Zahl
Nennt den ältesten Anteil einer Mischung; keine Altersangabe im Sinne des EU-Rechts.

Dazu im Lexikon

Was die Altersangabe auf Rum bedeutetZucker im Rum: das LexikonWeißer und dunkler Rum: der Unterschied
ZurückSpiced Rum, Rumlikör, Rhum arrangé: Wann aus Rum eine Spirituose wirdWeiterDie Transparenz-Debatte: Wer gegen süßen Rum kämpft

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