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Die Transparenz-Debatte: Wer gegen süßen Rum kämpft

Offenheit gefordert

Die Transparenz-Debatte: Wer gegen süßen Rum kämpft

Um gesüßten Rum wird seit Jahren gestritten. Unabhängige Tester wie der Däne Johnny Drejer machen seit 2013 Zuckerwerte öffentlich, Brenner wie Richard Seale von Foursquare und der Abfüller Velier werben für Offenheit. Seit 2021 begrenzt die EU den Zucker, eine Pflicht zur Angabe fehlt.

Wie der Streit um Zucker im Rum begann

Lange galt Rum als Spirituose mit wenigen Regeln. Wer Süße zugab, musste sie nicht angeben, und vor 2021 kannte die EU für Rum keine Obergrenze. Mit den ersten veröffentlichten Messwerten änderte sich der Blick. Laboranalysen aus Finnland und Schweden zeigten, dass manche beliebte Premiumrums deutlich Zucker enthielten. Rumfreunde ergänzten diese Daten mit eigenen Hydrometertests und stellten sie in Foren und Blogs zusammen.

Für viele Käufer war das eine Überraschung. Sie hatten die runde, weiche Art mancher Rums allein dem Alter oder dem Fass zugeschrieben. Nun stand die Frage im Raum, wie viel dieser Wirkung aus zugesetztem Zucker kam. Der Streit drehte sich dabei weniger um Geschmack als um Offenheit. Darf ein Rum süß sein, ohne dass der Käufer davon erfährt, und darf Süße ein höheres Alter vortäuschen?

Johnny Drejer, The Rum Project und die Zuckerlisten

Der Däne Johnny Drejer veröffentlicht seit 2013 Zuckerwerte, ermittelt mit dem Hydrometer. Seine Methode prüfte er an Rums, für die bereits staatliche Analysen vorlagen. Auf der englischsprachigen Seite The Rum Project entstand eine Sammelliste mit über 700 getesteten Rums. Daran beteiligten sich mehrere Tester, darunter Blogger aus Großbritannien und Frankreich, die ihre Messungen offenlegten.

Die Listen hatten Schwächen. Hydrometerwerte sind Schätzungen, Chargen ändern sich, und manche Abweichung stammt aus Kulör oder Fass statt aus Zucker. Dennoch verschoben sie die Debatte. Hersteller wurden öffentlich nach ihren Rezepturen gefragt, und Verkoster begannen, Süße gezielt zu prüfen. Aus einem Thema für Eingeweihte wurde eine Frage, die heute in vielen Fachgesprächen über Rum auftaucht.

Richard Seale, Luca Gargano und die Einteilung nach Brennblase

Auf Herstellerseite wurde Richard Seale zu einer der bekanntesten Stimmen. Er führt die Foursquare-Brennerei auf Barbados, die Sir David Seale 1996 gründete. Foursquare wirbt nach eigener Angabe damit, keinen Zucker zuzusetzen. Seale setzt sich öffentlich dafür ein, Rum nach seiner Herstellung einzuordnen statt nach Farbe oder Süße, und für Rum ohne Zusätze.

Gemeinsam mit Luca Gargano vom italienischen Abfüller Velier entwickelte er eine Klassifikation, die nach der Brennanlage unterscheidet. Pure Single Rum kommt aus der Pot Still einer einzigen Brennerei, Single Blended Rum aus Pot Still und Säule derselben Brennerei. Traditional Rum stammt aus einer traditionellen Säule, schlicht Rum aus einer modernen Mehrsäulenanlage. Die Einteilung ist privat und hat keine Rechtskraft. Sie stellt die Herstellung in den Vordergrund statt Farbe und Süße.

Was die EU-Grenze geändert hat und was offen bleibt

Mit der Verordnung (EU) 2019/787 bekam der Streit 2021 eine erste Antwort: höchstens 20 Gramm Zucker je Liter. Sehr süße Abfüllungen, die früher als Rum verkauft wurden, mussten in der EU seitdem entweder weniger süß werden oder eine andere Bezeichnung tragen. Kritikern geht die Grenze nicht weit genug, weil sie Süßung weiter erlaubt und keine Angabe verlangt. Befürworter sehen einen Kompromiss, der gesüßte Stile zulässt und Übertreibungen ausschließt.

Offen bleibt die Angabe auf dem Etikett. Solange Spirituosen von der Nährwertpflicht befreit sind, entscheidet jeder Hersteller selbst, ob er seinen Zuckergehalt nennt. Für Käufer bleibt eine nüchterne Haltung. Gesüßter Rum ist legal und kann gut schmecken, ungesüßter Rum ist nicht automatisch besser. Wichtig ist, zu wissen, was im Glas ist. Dabei helfen Verkehrsbezeichnung, Herkunftsregeln, Messlisten und der eigene Gaumen.

Kurz unterschieden

Pure Single Rum
Begriff der privaten Gargano-Klassifikation: nur Pot Still, eine Brennerei; keine Rechtskategorie.
Rum (EU)
Gesetzliche Grenze von 20 g Zucker je Liter seit 2021, aber keine Pflicht, den Gehalt zu nennen.
No added sugar
Werbeaussage von Herstellern, keine Rumkategorie; Belege liefern Herkunftsregeln oder Laboranalysen.
Hydrometer-Liste
Von Rumfreunden gesammelte Schätzwerte; gute Orientierung, aber keine Laboranalyse.

Dazu im Lexikon

Zucker im Rum: das LexikonBarbados, Kuba und Guyana im VergleichRum verkosten und Süße erkennen
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