
Handlese im Südsommer
Grundwein & Cuvée
Wenn in Europa der Winter anbricht, beginnt in der Serra Gaúcha die Lese. Brasilien liegt auf der Südhalbkugel, und die Trauben für Schaumwein werden im Südsommer geerntet, in der Regel ab Januar. Wer ihn früh liest, bekommt Beeren mit viel Säure und wenig Zucker. Das ist genau das, was ein Grundwein für Schaumwein braucht.
In Altos de Pinto Bandeira ist die Handlese vorgeschrieben, die Trauben dürfen nur aus dem abgegrenzten Gebiet stammen. Das schützt die ganzen Beeren, bevor sie in die Presse kommen. Beim Pressen geht es sanft zu, damit aus der roten Haut des Pinot Noir kaum Farbe in den Saft gelangt. Fachleute sprechen vom Blanc de Noirs, wenn eine dunkle Traube hell ausgebaut wird, und vom Blanc de Blancs, wenn nur weiße Sorten eingesetzt werden. Beides gibt es in der Serra, etwa bei Casa Valduga.
Danach beginnt die Arbeit des Kellermeisters. Aus mehreren Partien Chardonnay, Pinot Noir und Riesling Itálico stellt er eine Cuvée zusammen, einen Verschnitt, der Jahr für Jahr ähnlich schmecken soll. Die meisten Espumantes tragen keinen Jahrgang, weil die Cuvée aus verschiedenen Ernten oder Lagen stammt und den Hausstil sichern soll.
Daneben gibt es Jahrgangsschaumweine, die nur in besonders guten Jahren entstehen. Miolo im Vale dos Vinhedos füllt einen Millésime ab, den das Haus nur in außergewöhnlichen Ernten macht. Solche Weine liegen meist länger auf der Hefe, weil der Aufwand höher ist.
Für den süßen Moscatel gilt ein eigener Weg: Der Most wird kalt gehalten, damit er nicht zu früh zu gären beginnt. So bleibt der Zucker der Traube bis zum Stoppen der Gärung erhalten, und der Wein behält seinen frischen Muskatduft.