
Jahrgang statt Reserve
Grundwein & Cuvée
Früh lesen ist die erste Entscheidung für einen guten Schaumwein. Die Trauben sollen mit viel Säure und mäßigem Zucker ins Haus kommen, denn die zweite Gärung in der Flasche bringt noch Alkohol dazu. Ein schlanker, fast herber Grundwein ist hier kein Mangel, sondern das Ziel.
Dann wird gepresst, und zwar sanft. Das Regelwerk erlaubt weniger als 65 Prozent Most aus der Traubenmasse, alle Pressfraktionen zusammengenommen. Die Champagne nennt die feinste Fraktion Cuvée und die spätere Taille. Der letzte, herbe Rest bleibt hier im Trester. Bei Pinot nero ist das wichtig, damit die Schale dem Saft keine Farbe gibt.
Pinot nero und Chardonnay werden meist getrennt vergoren, Parzelle für Parzelle, und erst im Frühjahr zur Cuvée gemischt. Dieses Mischen heißt Assemblage. Der Kellermeister probiert dazu viele Fässer und Tanks und baut daraus den Wein, den er sich vorstellt. Ein Schuss Chardonnay bringt Frische in den Pinot, ein Schuss Pinot dem Chardonnay Tiefe.
Weil die Alta Langa immer einen Jahrgang trägt, fehlt das Werkzeug, mit dem Champagnerhäuser Jahr für Jahr denselben Hausstil sichern: der Zukauf alter Reserveweine. Der Kellermeister arbeitet im Kern mit den Weinen einer einzigen Ernte, und jeder Jahrgang darf anders schmecken. Ein warmes Jahr ergibt einen runderen, ein kühles einen schlankeren Wein.
So entstehen die Stile. Als Cuvée im klassischen Sinn tritt etwa Fontanafredda mit La Cuvée Brut auf, Coppo füllt einen Luigi Coppo Brut ab. Contratto stellt mit seinem Blanc de Blancs den einen Pol, Fontanafredda mit dem Blanc de Noirs den anderen, dazwischen liegt der Rosé. Für den Käufer heißt das: Wer Alta Langa vergleicht, vergleicht Ernten, nicht bloß Hausmarken.